Stand: 28.07.2026, 13:10 Uhr
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Eine rechtsextreme Partei macht sich in einer Kleinstadt in NRW breit. Der Verfassungsschutz beobachtet sie genau. Er zeichnet ein klares Bild einer menschenverachtenden Ideologie.
Hilchenbach/Hamm – Kampfsport, Schulungen, Gemeinschaftsgefühl – und eine unverhohlene Anlehnung an die Sprache des Nationalsozialismus: Am 11. Juli 2026 hat die rechtsextreme Partei Der III. Weg in Hilchenbach ihr Sommerfest „Jugend im Sturm“ gefeiert. Die Veranstaltung reiht sich ein in eine Strategie, die der NRW-Verfassungsschutz in seinem aktuellen Bericht und gegenüber unserer Redaktion detailliert beschrieben hat: die gezielte Ansprache junger Menschen über eine „Erlebniswelt Rechtsextremismus“.

Julian Bender von der Partei „Der III. Weg“ bei einer Veranstaltung im Jahr 2022. © IMAGO/Kay-Helge HercherDie Veranstaltung fand offenbar in zwei Teilen statt: Von 10 bis 13 Uhr versammelte sich die Partei auf der Dammstraße in Hilchenbach, im Anschluss verlagerte sich das Geschehen bis Mitternacht auf das Gelände der Parteiimmobilie. Das „Bündnis gegen Hass Siegen-Wittgenstein“ rief zu einer Gegenkundgebung auf und beschrieb „Jugend im Sturm“ in einem Social-Media-Aufruf als „wiederkehrende Veranstaltung des III. Wegs zur gezielten Ansprache und ideologischen Bindung junger Menschen“, bei der „Gemeinschaft, Kampfsport, Schulungen und rechtsextreme Propaganda miteinander verbunden“ würden.
Verfassungsschutzbehörden haben den III. Weg im Visier
Das Bündnis weist zudem darauf hin, dass der Titel „bewusst eine militante, historisch belastete Sprache“ aufgreife und sich „in das nationalsozialistisch geprägte Selbstverständnis der Partei“ einfüge. Verfassungsschutzbehörden, das zeigen unsere Recherchen, bewerten den III. Weg als neonazistisch und sehen in solchen Veranstaltungen einen wichtigen Bestandteil der Nachwuchsgewinnung.
Schauplatz war erneut die Parteiimmobilie in der Dammstraße, die Julian Bender – Vorsitzender des Landesverbands West und des Stützpunkts Sauerland/Siegerland – 2023 erwarb und seither als regionales Parteibüro nutzt. Die mit Parteiflaggen und Plakaten gestaltete Immobilie dient laut Verfassungsschutzbericht des Landes NRW regelmäßig als Bühne für Vorträge, Konzerte und Szene-Events: vom „Vortrags- und Liederabend“ im Februar 2025 über den „Tag der Heimattreue“ im Oktober bis zum „nationalrevolutionären Weihnachtsmarkt“ im Dezember. „Jugend im Sturm“ fügt sich damit nahtlos in ein Veranstaltungsjahr ein, das kaum einen Monat ohne einschlägige Aktivität in Hilchenbach auskommt.
Warum investiert eine Kleinpartei mit offen neonazistischem Programm so viel in Kampfsport-Events und Jugendarbeit? Eine Sprecherin des NRW-Verfassungsschutzes hat das gegenüber unserer Redaktion eingeordnet: „Die Partei Der III. Weg hat aufgrund ihrer Kontakte zu anderen rechtsextremistischen Organisationen in Europa immer auch das Ziel, Interessenten aus dem In- und Ausland anzusprechen und zur Anreise zu bewegen. Mit einem ‚vielfältigen Unterhaltungsprogramm‘, bestehend aus Musik, sportlichen Aktivitäten und politischen Vorträgen, versucht man sich insgesamt anschlussfähig zu präsentieren.“ Vor allem junge Erwachsene könnten über diese „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ angesprochen werden, so die Sprecherin weiter.
Der Verfassungsschutzbericht NRW 2025 stützt diese Einschätzung: Mit der Kombination aus rechtsextremistischen Vorträgen und Musikveranstaltungen wolle die Partei gezielt Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen – was ihr allerdings nur in geringem Maße gelinge. Der Stützpunkt Sauerland/Siegerland gilt dem Bericht zufolge weiterhin als das Zentrum der Parteiaktivitäten in NRW und sei bestrebt, „seine Bedeutung durch öffentlichkeitswirksame Aktionen und provokante Veröffentlichungen zu steigern“.
Ideologischer Unterbau der rechtsextremistischen Partei
Hinter der Fassade aus Sport und Gemeinschaft steht ein Parteiprogramm, das sich laut Verfassungsschutz mit seinem 10-Punkte-Programm ideologisch an das Gedankengut der NSDAP anlehnt und einen „deutschen Sozialismus“ fordert. Die Partei strebe eine ethnisch homogene Gesellschaft im Sinne des völkischen Nationalismus an, die durch rigide Ausgrenzung vermeintlich Fremder ohne Rücksicht auf Menschenrechte verwirklicht werden solle – und agitiere dabei vor allem gegen Migranten. Der III. Weg unterliegt deshalb nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 VSG NRW der nachrichtendienstlichen Beobachtung.
Die Ideologie der Partei Der III. Weg
„Das Parteiprogramm von Der III. Weg zeigt, dass die Partei eine ethnisch homogene Gesellschaft im Sinne des völkischen Nationalismus anstrebt, die durch die rigide Ausgrenzung aller vermeintlich Fremden ohne Rücksicht auf die Menschenrechte verwirklicht werden soll. Diesem Verständnis folgend agitiert die Partei vor allem gegen Migranten und verletzt damit fortlaufend deren Menschenwürde.“ Quelle: Verfassungsschutzbericht 2025
Der Aufruf des „Bündnis gegen Hass Siegen-Wittgenstein“ macht deutlich, wie sehr das Fest die Stadt beschäftigt: „Die Bevölkerung in Hilchenbach hat unter normalen Umständen schon Angst und die Stadt kann nichts gegen den III. Weg machen“, heißt es in dem Aufruf.
Wie wir bereits berichteten, zeigt sich das im Ratsalltag. Bei der Kommunalwahl 2025 zog Julian Bender mit 237 Stimmen (3,08 Prozent) in den Stadtrat ein – nachdem seine Bürgermeisterkandidatur zuvor wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue vom Wahlausschuss abgelehnt worden war. Schon schnell warnte der Verfassungsschutz aufgrund dessen vor der Partei: „Diese kommunalpolitische Bühne wird sie künftig mutmaßlich für rechtsextremistische Propaganda nutzen.“