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Investieren ab 50: Lohnt sich der Einstieg an der Börse überhaupt noch?

Stand: 19.07.2026, 08:09 Uhr

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„Der Zug ist abgefahren.“ Diesen Satz hört Margarethe Honisch regelmäßig von Frauen über 50. Die ehrliche Rechnung zeigt: Er stimmt nicht.

Es gibt einen Einwand, der hartnäckiger ist als alle anderen. Er kommt fast immer von Frauen über 50. Und er lautet: Für mich lohnt sich das nicht mehr.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit Fortunalista.de.

Dahinter steckt eine nachvollziehbare Logik. Wer in Finanzartikeln liest, dass man mit 25 anfangen soll und dann 40 Jahre Zeit hat, fühlt sich mit 52 ausgeschlossen. Der Zinseszins braucht Jahrzehnte. Die Jahrzehnte sind weg.

3D Konzeptillustration des Rentenrechners

Investieren ab 50. © IMAGO/imageBROKER/Anastasiia Torianyk

Aber diese Logik ist unvollständig. Sie vergleicht das Mögliche mit dem Optimalen und erklärt das Mögliche für wertlos. „Der beste Zeitpunkt war vor zwanzig Jahren“, sagt Margarethe Honisch, Finanzexpertin und Gründerin von Fortunalista. „Aber der zweitbeste Zeitpunkt ist heute. Und was heute möglich ist, ist mehr als die meisten glauben.“

Die ehrliche Rechnung: Was 15 Jahre wirklich leisten

Wer mit 50 beginnt und bis 65 investiert, hat 15 Jahre. Nicht 40. Aber 15 Jahre sind kein Trostpreis. Sie sind ein vollständiger Anlagezeitraum mit messbaren Ergebnissen.

Was verschiedene monatliche Beträge bei 6 Prozent Rendite über 15 Jahre ergeben:

Was mit diesen Beträgen im Rentenalter passiert, hängt davon ab, wie klug entnommen wird. Bei der 4-Prozent-Regel, also 4 Prozent des Depotwerts jährlich entnehmen, ergibt sich:

Das sind keine Millionenbeträge. Aber als Ergänzung zur gesetzlichen Rente ist der Unterschied zwischen 1.200 Euro und 1.690 Euro monatlich ein anderes Leben.

Warum der Vergleich mit 25-Jährigen irreführend ist

Ja, wer mit 25 beginnt, hat am Ende mehr. Das ist mathematisch unbestreitbar. Aber der relevante Vergleich ist nicht: Was hätte ich mit 25 aufgebaut? Der relevante Vergleich ist: Was habe ich mit 65, wenn ich heute anfange, verglichen mit dem, was ich habe, wenn ich nicht anfange?

Wer mit 50 beginnt und 300 Euro monatlich investiert, hat mit 65 rund 87.000 Euro. Wer wartet, hat nichts. 87.000 Euro gegen nichts. Das ist die eigentliche Rechnung. „Der Vergleich mit dem optimalen Szenario lähmt“, betont Margarethe Honisch. „Der Vergleich mit der Alternative befreit. Und die Alternative ist immer: nichts tun.“

Was mit 50 anders ist als mit 30

Kürzerer Zeithorizont bedeutet andere Strategie. Nicht schlechtere. Wer mit 30 investiert, kann einen starken Kurseinbruch zwei Jahre nach dem Einstieg problemlos aussitzen. 30 Jahre reichen, um jede historische Krise auszugleichen. Wer mit 55 beginnt, hat weniger Puffer. Ein starker Einbruch kurz vor dem Rentenalter kann bedeuten, zu einem ungünstigen Zeitpunkt entnehmen zu müssen.

Deshalb gilt mit 50 plus: defensiver aufstellen als jüngere Anlegerinnen. Nicht auf Aktien verzichten, aber den stabilisierenden Anteil höher gewichten. Eine bewährte Faustregel für den Einstieg ab 50: Aktienanteil in Prozent gleich 110 minus Lebensalter. Mit 55 also rund 55 Prozent Aktien-ETFs, 35 Prozent Anleihen-ETFs, 10 Prozent Tagesgeld als Liquiditätspuffer.

Diese Aufteilung reduziert die maximale Schwankungsbreite, ohne vollständig auf Rendite zu verzichten. „Konservativer heißt nicht renditelos“, erklärt Margarethe Honisch. „Es heißt: Die Strategie passt zum Zeitrahmen. Und eine passende Strategie ist immer besser als gar keine.“

Was der häufigste Fehler ab 50 ist

Wer spät anfängt und den verlorenen Boden aufholen möchte, neigt dazu, mehr Risiko einzugehen als sinnvoll ist. Höhere Aktienquote, konzentriertere Positionen, riskantere Einzelwetten. Das ist das Gegenteil von dem, was hilft. Wer mit 55 in hochvolatile Anlagen investiert und zwei Jahre vor der Rente einen starken Einbruch erlebt, hat keine Zeit, diesen auszusitzen. Was als Aufholjagd begann, endet mit realisierten Verlusten.

„Der Fehler, den ich am häufigsten bei Späteinsteigern sehe, ist Ungeduld“, sagt Margarethe Honisch. „Wer glaubt, verlorene Zeit durch höheres Risiko ausgleichen zu können, riskiert, das Wenige zu verlieren, das er aufgebaut hat. Beständigkeit schlägt Risikofreude.“

Was neben dem Depot noch zählt

Wer ab 50 anfängt, hat neben dem Depot weitere Hebel, die oft unterschätzt werden.

Was heute konkret zu tun ist

Drei Schritte, die sofort möglich sind.

  1. Die eigene Rentenlücke berechnen. Monatlicher Bedarf im Alter minus voraussichtliche Nettorente. Diese Differenz zeigt, wie viel privat aufgebaut werden muss.
  2. Depot eröffnen und einen monatlichen Sparplan einrichten. Defensiver als bei jüngeren Anlegerinnen, aber mit Renditepotenzial durch Aktien-ETFs.
  3. Das Rentenkonto auf Lücken prüfen und fehlende Zeiten nachmelden.

Das war es. Ein Nachmittag. Drei Schritte. Eine veränderte Ausgangslage.

Zweistündiger Online-Workshop zur Altersvorsorge für Frauen

Im kostenlosen Live-Workshop rechnen Frauen ihre persönliche Rentenlücke direkt selbst aus, nur mit dem Handy und inklusive Inflation und Steuern. SPIEGEL-Bestsellerautorin Margarethe Honisch erklärt verständlich, was die Rentenreform konkret bedeutet und wie sich die Lücke Schritt für Schritt schließen lässt, in jeder Lebensphase und schon ab kleinen Beträgen.
Kostenlos · Live · Für Einsteigerinnen. Anmeldung und Termine unter finanzen.fortunalista.de/kostenloser-renten-workshop-2026. 

Fazit

Lohnt sich der Einstieg an der Börse ab 50 noch? Ja. Nicht weil die Ergebnisse dieselben sind wie mit 25. Sondern weil die Alternative, also nichts zu tun, in jedem Fall schlechter ist. 87.000 Euro gegen nichts. 290 Euro monatliches Zusatzeinkommen gegen nichts. Das ist die Rechnung. Und sie hat eine klare Antwort. Der Zug ist nicht abgefahren. Er steht noch. Aber er wartet nicht ewig.