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In Mexiko stehen die Zeichen auf Sturm

Stand: 12.07.2026, 13:44 Uhr

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Claudia Sheinbaum.

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat die Nase voll von der Diplomatie. © FOTO: YURI CORTEZ/AFP

Nach dem Tod eines Migranten in Texas vergangene Woche durch die Häscher der ICE will sich die Regierung Sheinbaum nichts mehr von Trumps USA gefallen lassen. Der Geduldsfaden ist nur noch hauchdünn.

Es verändert sich gerade etwas Grundlegendes in der mexikanischen Außenpolitik. Der konfliktscheue und konsensorientierte Umgang mit dem wichtigsten Handelspartner und Nachbarn der USA ist abrupt beendet. So muss man die Reaktion der mexikanischen Regierung nach den tödlichen Schüssen von Angehörigen der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) auf den Mexikaner Lorenzo Salgado vergangene Woche im texanischen Houston interpretieren.

Präsidentin Claudia Sheinbaum und ihr Außenminister Roberto Velasco kündigten umgehend neben einer diplomatischen auch eine juristische Reaktion an. Die Präsidentin sprach Ende vergangener Woche sichtlich verärgert davon, „Misshandlungen nicht zu dulden“, und kündigte „bedeutende rechtliche Schritte“ an. Allein in diesem Jahr sind mit dem 52 Jahre alten Bauarbeiter Salgado sechs mexikanische Staatsangehörige im Gewahrsam der „Immigration and Customs Enforcement“ (ICE) unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen.

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump vor anderthalb Jahren sind es nach offiziellen mexikanischen Angaben 17 Todesopfer. 177.000 Mexikaner wurden demnach inhaftiert, von denen noch immer nahezu 14.000 aufgrund ihres unklaren Aufenthaltsstatus festgehalten werden.

Die juristischen Schritte gegen die USA seien „die wichtigste Aufgabe, vor der das Außenministerium derzeit steht“, betonte Minister Velasco und unterstrich, dass sein Amt auf zwei Ebenen gegen die Behörden des Nachbarn vorgehe: Die Bundesanwaltschaft leitet ein Verfahren gegen die Verantwortlichen in den US-Staatsanwaltschaften und dem US-Justizministerium ein, um sie für die Todesfälle in ICE-Gewahrsam zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem werden Zivilklagen gegen die privaten Unternehmen vorbereitet, die in den USA jene Lager betreiben, in denen die festgenommenen Migrant:innen interniert werden.

In der jüngsten Zeit hat sich bei Claudia Sheinbaum ohnehin schon viel Ärger gegenüber der US-Regierung aufgestaut. Denn Trump machte in den vergangenen Wochen deutlich, dass er im Verhältnis zum Nachbarn im Süden und seinem wichtigsten Wirtschaftspartner auf Krawall und Disruption setzt. So gibt es annähernd ein halbes Dutzend Konflikte, die in den vergangenen Wochen und Tagen aufbrachen oder sich vergrößerten.

Allen voran ist dabei das vorläufige Scheitern der Verlängerung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA zu nennen. In den aktuell laufenden turnusmäßigen Gesprächen machten die Vereinigten Staaten deutlich, dass sie kein Interesse an der Aufrechterhaltung dessen haben. Damit läuft das Abkommen am 1. Juli 2036 aus. Sollte es dabei bleiben, wäre das für Mexiko eine Hiobsbotschaft. Die Wirtschaft steht und fällt mit den Exporten in die USA, die rund 80 Prozent der Gesamtausfuhren ausmachen. Mexiko ist heute wichtigster Absatzmarkt wie größter Lieferant der USA. Aber daneben gibt es weitere Kontroversen. Die Unterstützung Mexikos für Kuba ist ein ständiger Streitpunkt.

Mexiko lieferte Öl an die autoritär regierte Insel, bis Washington das Anfang des Jahres unter Androhung wirtschaftlicher Sanktionen untersagte. Weiterhin aber schickt Sheinbaum sehr zum Ärger der USA humanitäre Hilfe nach Kuba. Die Trump-Regierung habe mit der bisherigen Praxis gebrochen, Handelsfragen von Sicherheits-, Migrations- und außenpolitischen Angelegenheiten zu trennen, kritisiert Gerónimo Gutiérrez, einstmals Mexikos Botschafter in Washington.

Zudem droht Trump immer wieder damit, Truppen in das Nachbarland zu schicken, um dort den Kampf gegen die Drogenkartelle zu übernehmen. Er wirft der mexikanischen Regierung nicht nur vor, im Kampf gegen die Kartelle erfolglos zu sein. Die Anschuldigungen gehen weiter: Vor allem die US-Justiz ist überzeugt, dass hochrangige Politiker selbst mit dem Organisierten Verbrechen kooperieren. Das gipfelte Ende April darin, dass ein New Yorker Gericht den amtierenden Gouverneur des nordmexikanischen Bundesstaates Sinaloa, Rubén Rocha, und weitere neun hohe Regierungsbeamte wegen Rauschgifthandels anklagte und deren Auslieferung beantragte.

Rocha, Mitglied der auf Bundesebene regierenden linken Morena-Partei und ein Freund der Präsidentin, soll einer Fraktion des Sinaloa-Kartells beim Drogenschmuggel in die USA geholfen haben. Sheinbaum war ausgesprochen verärgert und pochte auf die „nationale Souveränität“ ihres Landes. Niemand habe sich in die internen Angelegenheiten Mexikos einzumischen.

Sheinbaum musste notgedrungen ihr Verhalten gegenüber Trump verändern. Trotz aller Anmaßungen, Beschuldigungen und Beleidigungen wahrte sie lange die Pose der souveränen und freundlichen Staatschefin, die versuchte, den Amtskollegen mit unterkühlter Überlegenheit auflaufen zu lassen. In der Sache hat sie aber nahezu alle US-Forderungen erfüllt: Sie lieferte Drogenbosse aus, beschlagnahmte tonnenweise Fentanyl, stoppte chinesische Investitionen in Mexiko und liefert kein Öl mehr nach Kuba. Genutzt hat das nichts. Nun stehen den Nachbarn ziemlich unfreundliche Beziehungen ins Haus. Und Mexiko kann da vor allem wirtschaftlich viel verlieren.

Demonstration gegen ICE und Trump in Houston, Texas

Linke und Liberale demonstrieren in Houston gegen Trumps ICE. Alle Zeichen stehen auf Sturm. © RONALDO SCHEMIDT/afp