Stand: 21.07.2026, 06:45 Uhr
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Wenn die Deutschen im Ausland Urlaub machen, löst eine Angewohnheit in den Restaurants Stress aus. Eine Expertin erklärt, wieso andere entspannter sind.
Hamburg – Geselliges Essen, bei dem alle von denselben Tellern naschen – für viele Menschen auf der Welt ist das eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland hingegen haben viele am liebsten ihr eigenes Gericht. Konzepte wie Tapas oder Mezze sind zwar bekannt, stoßen aber häufig auf Ablehnung. Auf Social Media wird diese deutsche Eigenheit lebhaft diskutiert.

In Deutschland hat am liebsten jeder sein eigenes Gericht. © IMAGO / DepositphotosIn einem TikTok-Video will eine Frau mit ihren Freundinnen alles teilen, aber die bestellen lieber „was eigenes“. In einem anderen TikTok-Video parodiert eine Creatorin, wie unwohl sich einige Deutsche fühlen, wenn sie ihr Essen teilen. Die Kommentarspalte füllt sich mit Zustimmung. „Ich versuche immer, es mir nicht anmerken zu lassen, aber ich hasse es, Essen zu teilen“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer kommentiert: „Ich will nur das essen, was ich mir aussuche. Und davon auch alles.“ Ein weiterer User findet die Abneigung gegen das Teilen „schrecklich traurig, aber so unglaublich deutsch.“ Für manche kommt es auf die Speise an: „Pizza und Pommes sind okay, aber alles andere absolut nicht.“
Es gibt offenbar mehrere Gründe, warum das gemeinsame Essen von einem Teller für viele unangenehm ist. Manche fürchten, am Ende zu wenig abzubekommen und hungrig nach Hause zu gehen. Andere können sich nicht entspannen, weil sie darauf achten, nicht „zu viel“ zu nehmen. Auch Hygiene spielt eine Rolle: „Sobald jemand mit seinem Besteck in mein Essen will, ist‘s vorbei“, schreibt jemand bei TikTok. Hinzu kommt, dass das Aufteilen der Rechnung durch geteilte Gerichte komplizierter wird.
Soziologin: Teilen von Essen im Restaurant ist in anderen Ländern kulturell verankert
Soziologin Alexandra Sept, Expertin für Ernährung im Lebensverlauf, bestätigt, dass wir uns in Deutschland mit mehreren Gerichten „in der Mitte“ schwertun. „Das ist auf jeden Fall so“, sagt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media, „in Deutschland teilt man nicht so gern Gerichte.“ Im Vergleich mit südeuropäischen Ländern werde der Unterschied besonders deutlich: „In Frankreich, Italien oder Spanien ist das Teilen von Gerichten kulturell stärker verankert“, so Sept.
Bei jungen Menschen der Gen Z in Deutschland seien Restaurants, in denen Gerichte geteilt werden, zwar zunehmend beliebt. Dass sich diese Esskultur grundsätzlich stärker etabliert, würde jedoch mehr als eine Generation dauern, erklärt die Expertin.
Menschen in anderen Kulturen geben mehr Geld für Essen und Restaurantbesuche aus
Das Teilen von Speisen ist nicht nur in Südeuropa verbreitet. Sept erklärt: „In asiatischen Ländern bestellen die Menschen oft Essen, das in der Mitte des Tisches steht, sodass sich jeder nehmen kann, was er oder sie mag.“ Sind Deutsche im Urlaub in diesen Ländern, fällt es ihnen laut der Soziologin teilweise schwer, sich an die dortige Esskultur zu gewöhnen. Hierzulande sei es in „vielen Köpfen noch so verankert, dass jeder für sich bestellt, was er oder sie am liebsten mag“. Sept fasst es klar zusammen: „Das ist eine typisch deutsche Marotte.“
Diese Haltung habe historische und kulturelle Wurzeln, erklärt Sept. Vieles finde in Deutschland eher im Privaten statt. „Deutschland ist weniger café-orientiert als andere Kulturen. Das merkt man vor allem, wenn man ins Ausland reist“, so die Expertin. Dort seien die Cafés voller und es gebe mehr gastronomische Betriebe. Zudem würden Menschen in anderen Kulturen generell mehr Geld für Essen ausgeben und häufiger Restaurants besuchen. Sept weist jedoch auch darauf hin, dass es auch in anderen Ländern „regional und sozial unterschiedliche Esskulturen“ gebe.