Stand: 14.07.2026, 07:21 Uhr
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Die Bundeswehr soll wachsen: Allerdings verweigern immer mehr Menschen den Kriegsdienst. Ein Grund dürften die neuen Wehrdienst-Regeln sein.
Berlin – Boris Pistorius hat ein klares Ziel: Der Verteidigungsminister will über den neuen Wehrdienst die NATO-Vorgabe erreichen, bis 2035 im Krisen- oder Kriegsfall 460.000 Soldaten bereitzustellen. Dazu soll die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten von derzeit rund 185.000 auf mindestens 260.000 steigen. Die Zahl der Reservisten soll von 60.000 auf 200.000 erhöht werden.

Die Bundeswehr soll nach den Plänen von Boris Pistorius verteidigungsfähig werden. Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer geht allerdings steil nach oben. © Philipp Schulze/dpaDoch die Pläne zur personellen Stärkung der Bundeswehr stoßen nicht überall auf Gegenliebe. So ist die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung im ersten Halbjahr steil angestiegen. Bis zum 30. Juni seien 5862 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) eingegangen, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 hatten in Deutschland 3867 Menschen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, 2024 waren es 2998. Im Jahr 2011, dem Jahr der Aussetzung der Wehrpflicht, wurden laut RND 4348 Anträge gezählt.
Wehrdienst-Pläne treiben Anträge auf Kriegsdienstverweigerung
Hintergrund für den steilen Anstieg dürften die angespannte Sicherheitslage und das Gesetz über den neuen Wehrdienst sein, das zum 1. Januar in Kraft trat. Seit Anfang 2026 sind Männer ab dem Alter von 18 Jahren verpflichtet, einen Fragebogen zu ihrer Einsatzbereitschaft auszufüllen. Frauen ist das freigestellt. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Sollte der Personalbedarf der Bundeswehr auf freiwilliger Basis nicht gedeckt werden können, könnte es wieder eine Pflicht zum Wehrdienst geben. Darüber müsste der Bundestag aber neu entscheiden.
Die Wehrpflicht ist zwar ausgesetzt, bleibt aber weiter im Grundgesetz verankert. Auch das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist dort geregelt. Demnach kann niemand gezwungen werden, aktiv an Kampfhandlungen oder Waffengewalt teilzunehmen, wenn dies dem eigenen Gewissen widerspricht.
Neuer Wehrdienst: Einige Menschen wiederrufen ihre bereits erfolgte Kriegsdienstverweigerung
Parallel dazu gibt es allerdings auch eine Reihe von Menschen, die ihre bereits erfolgte Kriegsdienstverweigerung widerrufen. Die Neue Osnabrücker Zeitung hatte im April berichtet, im vergangenen Jahr sei dies 781 Mal der Fall gewesen, im ersten Quartal dieses Jahres bereits 233 Mal. (Quellen: RND, dpa, AFP) (cs)