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Italien: Hündin Brum Brum erschnüffelt winzige Schätze an Stränden

Sie rennt über den Strand am Meer, als würde sie einer unsichtbaren Spur folgen. Die Nase tief im Sand, die Pfoten wirbeln kleine Staubwolken auf, dann ein plötzlicher Richtungswechsel: Brum Brum sucht, was für Menschen nicht mehr zu erkennen ist. Wind und Wellen haben die Spuren der Nacht verwischt, doch die zweijährige Hündin folgt einer Fährte, die nur ihr feiner Geruchssinn wahrnehmen kann.

Dann bleibt sie abrupt stehen. Der Blick richtet sich auf einen Punkt im Sand. Das Zeichen ist eindeutig: Brum Brum hat gefunden, wonach sie gesucht hat – und leistet damit eine wichtige Aufgabe, die die Menschen ohne sie kaum ausführen könnten. Brum Brums Objekt der Begierde ist nicht etwa Futter, sondern ein Nest der bedrohten Meeresschildkröte Caretta caretta. Unter dem Sandstrand von Ascea im süditalienischen Cilento liegen die Schildkröteneier, die dank der Hündin geschützt werden können.

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Brum Brum ist kein gewöhnlicher Hund. Die Springer-Spaniel-Hündin gehört zu den sogenannten Tartadogs, speziell ausgebildeten Spürhunden, die im Rahmen des europäischen Projekts „Life Turtlenest“ nach Schildkrötennestern suchen. Ziel des vom italienischen Umweltschutzverband Legambiente koordinierten Projekts ist es, die Population der Meeresschildkröte Caretta caretta im Mittelmeer besser zu schützen.

Bei der Suche nach Schildkröteneiern trägt Brum Brum eine Spezialbrille, um ihre Augen vor dem Sand zu schützen. In ganz Italien sind derzeit nur vier dieser Spezialhunde im Einsatz: zwei Springer Spaniel, ein Labrador Retriever und ein holländischer Schäferhund.

Hund, die Meeresschildkröten retten Italien

Brum Brum, der Hund, der Meeresschildkröten das Leben rettet.© Privat | Legambiente

Ihre Aufgabe ist außergewöhnlich: Sie sollen versteckte Nester aufspüren, ohne den empfindlichen Brutplatz zu beschädigen.
„Tartadogs sind Superhelden der Natur. Sie haben eine besonders feine Nase und lernen es, Schildkröteneier wahrzunehmen, die unter dem Sand liegen“, sagt Serena Donnini vom italienischen Hundeverband Enci gegenüber unserer Redaktion. Sie trainiert Hunde nach der sogenannten Detection-Methode.

Dabei lernen die Tiere, einen ganz bestimmten Geruch zu erkennen und präzise anzuzeigen. Die Ausbildung kann Jahre dauern, denn die Herausforderung ist groß: Der Geruch kommt nicht von der Oberfläche, sondern aus dem Inneren des Sandes. Die Hunde müssen lernen, dass die Duftspur zu einer unterirdischen Nestkammer führt. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle – etwa die Tiefe des Nests, die Zeit seit der Eiablage, Temperatur und Feuchtigkeit des Bodens.

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Großes Netzwerk: Auch Spanien und Frankreich sind an der Suche beteiligt

Die Hunde werden trainiert, nicht zu graben und die Eier nicht zu berühren. Ihre Aufgabe besteht ausschließlich darin, den Fundort anzuzeigen. Die eigentliche Kontrolle übernehmen anschließend geschulte Mitarbeiter des Schildkrötenprojekts.
Hinter jedem geretteten Nest steht jedoch ein ganzes Netzwerk aus Wissenschaftlern, Freiwilligen, Badegästen, Strandbetreibern und modernen Technologien wie Drohnen mit Künstlicher Intelligenz. Viele Nester werden überhaupt erst entdeckt, weil Menschen am Strand aufmerksam sind.

„Schildkröten legen die Eier während der Badesaison im Mittelmeerraum. Wir führen Kampagnen durch, um Strandbadbetreiber für den Schutz der Schildkröten zu sensibilisieren“, berichtet Stefano Di Marco, Koordinator des Projekts „Life Turtlenest“, an dem sich auch Umweltschutzorganisationen in Spanien und Frankreich beteiligen, gegenüber unserer Redaktion. Tausende Menschen seien bereits geschult worden, darunter Rettungsschwimmer und Betreiber von Badeanlagen. Sie lernen, typische Spuren der Schildkröten zu erkennen und richtig zu reagieren.

Hund, die Meeresschildkröten retten Italien

Die Schildkröten nisten mitten am Strand und breiten sich immer weiter aus.© Privat | Legambiente

Italien: Das Geschlecht der Schildkröten hängt von der Temperatur ab

Für die Küstenregionen ist ein Schildkrötennest längst kein Hindernis mehr, sondern ein besonderes Naturereignis. Gerade das Cilento in der süditalienischen Region Kampanien hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Brutgebiete der Caretta caretta im westlichen Mittelmeer entwickelt. Im Jahr 2025 wurden in Italien mehr als 700 Nester registriert – so viele wie nie zuvor. Die Zahl zeigt, dass die Schildkröten ihre Brutgebiete ausweiten und inzwischen auch weiter nördlich geeignete Strände finden, wo sie bis vor einigen Jahren nicht zu sehen waren.

Vor drei Jahren waren sogar am Strand von Jesolo nahe Venedig Schildkrötennester lokalisiert worden. Gleichzeitig
entstehen neue Herausforderungen durch den Klimawandel. Wärmerer Sand führt dazu, dass mehr weibliche Tiere schlüpfen, weil das Geschlecht der Jungtiere von der Temperatur während der Entwicklung abhängt.

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Und jede geschützte Brut zählt: Eine Schildkröte legt pro Nest etwa hundert Eier und kann in einer Saison mehrfach an Land kommen. Doch nur ein winziger Teil der Jungtiere erreicht das Erwachsenenalter. Die Suche von Spürhunden wie Brum Brum beginnt deshalb oft früh am Morgen. Dann sind die Spuren der Nacht im Sand noch sichtbar: der Weg vom Meer zum Nistplatz und die Rückkehr der Mutter.

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Licht: Darum finden die Schildkröten oft nicht den Weg ins Meer

Nicht immer wählt die Schildkröte einen sicheren Ort. Manche Nester liegen zu nah am Wasser und drohen bei Sturm und ungemütlichem Wetter überspült zu werden, andere befinden sich mitten in Badeanlagen. In solchen Fällen werden die Eier vorsichtig in geschützte Bereiche am selben Strand umgesetzt. Nach etwa 50 bis 60 Tagen beginnt der nächste Kampf ums Überleben. Die frisch geschlüpften Schildkröten müssen den Weg ins Meer finden – und werden dabei häufig durch künstliche Beleuchtung in die falsche Richtung gelenkt.

Deshalb arbeitet Life Turtlenest auch mit Gemeinden und Tourismusbetrieben zusammen, um „schildkrötenfreundliche“ Beleuchtung einzuführen. „Der Schutz der Art kann nicht allein den Forschern überlassen werden. Er braucht die Verantwortung von Behörden, Bürgern, Tourismusbetrieben und lokalen Gemeinschaften“, meint Di Marco. Denn das Überleben der Caretta caretta beginnt lange vor dem ersten Schwimmen im Meer – mit einer feinen Hundenase im Sand und Menschen, die bereit sind, die Natur zu schützen.