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Regionalbahnen zahlen zukünftig mehr: Was das für Fahrgäste bedeuten könnte

Wer diese zusätzlichen Kosten am Ende trägt, ist bislang offen. Die Länder sehen sich dazu finanziell nicht in der Lage und fordern Unterstützung vom Bund. Verkehrsunternehmen warnen bereits vor möglichen Folgen für den Nahverkehr. Doch müssen Fahrgäste tatsächlich mit höheren Ticketpreisen oder weniger Zugverbindungen rechnen? Diese Fragen beantwortet Christian Böttger, Professor von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und spezialisiert auf das Thema Schiene, im WDR-Interview.

Herr Böttger, mit was rechnen Sie? Teure Tickets, weniger Züge oder dass Anbieter ganz aussteigen?

Christian Böttger: Naja, die Betreiber der Züge haben langjährige Verträge. Und das heißt, die können nicht aussteigen. Die Länder haben teilweise Abstelloptionen. Aber das wird sich über Jahre hinziehen. Klar ist, dass die Länder das nicht aus ihren Haushalten ausgleichen werden können. Das heißt, es drohen tatsächlich Abbestellungen im Nahverkehr. Die Länder würden natürlich gerne mit dem Bund darüber verhandeln, der Bund verweigert eine solche Verhandlung. Ein bisschen ist das auch ein Pokerspiel, weil irgendwann werden die wieder an einem Tisch sitzen.

Also, die entscheidende Frage ist jetzt, wer für die 400 Millionen Euro aufkommen wird.

Böttger: Genau. Der Bund zuckt die Achseln und sagt, die Länder sollen es bezahlen. Und die Länder sagen, wir haben das Geld nicht. Und derzeit ist es eben so, dass der Bund nicht willens ist, in irgendeiner Sachfrage eigentlich mehr Geld auf den Tisch zu legen. Also, er verweigert letztendlich auch die Verhandlungen mit den Ländern darüber. Und die Länder stoßen immer wildere Drohungen aus. Bisher hat der Bund aber eben den Rücken gerade gehalten und gesagt: Nein, es gibt kein zusätzliches Geld.

Wobei der Bund indirekt davon profitiert, weil ein Großteil der Entlastungen entlastet ja den Fernverkehr. Und das ist ja eine Gesellschaft, die dem Bund gehört. Also, es wäre ein Leichtes für den Bund, diese zusätzlichen Preissenkungen im Fernverkehr wieder einzusammeln. Dann läge das Geld auf dem Tisch. Aber auch das will er eben nicht.

Diese 400 Millionen dienen auch dazu, dass der Fern- und Güterverkehr entlastet wird, weil er ja proportional jetzt mehr bezahlt hat und das Geld in Teilen eigentlich dem Bund wieder zufließt. Das könnte er dann im Grunde wieder reinvestieren in den Nahverkehr?

Böttger: Genau. Also, im Güterverkehr nicht . Da betreibt ja DB Cargo, also die Bundesgesellschaft, nur noch ungefähr 25 Prozent. DB Cargo steht ja wegen langjähriger Verluste und EU-Auflagen sowieso vor dem Zusammenbruch. Aber ein Großteil der Umverteilung der Trassenpreise geht tatsächlich zugunsten des Fernverkehrs und das ist also eine Bundesgesellschaft .

Was wird das für die Fahrgäste bedeuten? Gehen Sie davon aus, dass die dann mehr zahlen müssen für eine Regionalfahrt oder wird es weniger Angebot geben?

Böttger: Naja, die Politik hat sich ja festgelegt mit dem Deutschland-Ticket, darauf, dass man sagt, eigentlich kann man die Preise nicht erhöhen. Also die Idee, dass man sagt, wir machen eine Leistung teurer. Diese Möglichkeit hat sich die Politik in den letzten Jahren - aus meiner Sicht ein großer Fehler - aus der Hand geschlagen.

"Die einzige Möglichkeit ist jetzt tatsächlich, den Verkehr einzustellen. Darauf wird es teilweise auch hinauslaufen." Christian Böttger, Professor HTW Berlin

Man muss dazu sagen, in den letzten Jahren wurde ja sehr viel zusätzliches Geld bereitgestellt. Und ich bin davon überzeugt, dass man die eine oder andere Fahrt auch abbestellen kann, ohne dass es jetzt zu großen Schaden anrichtet. Aber insgesamt ist es natürlich dramatisch, wenn man sagt: Wir kommen jetzt in einen Modus rein, wo der öffentliche Nahverkehr zurückgebaut wird.

Das ist ja genau das Gegenteil von dem, was ja eigentlich das Ziel ist, auch des Deutschland-Tickets und der Idee des Deutschland-Takts.

Böttger: Es ist immer leicht, Ankündigungen zu machen, solange man nicht über Geld redet. Und Tatsache ist: Die Politiker aller Parteien haben immer große Worte gespuckt, gerade eben auch mit dem Deutschland-Ticket. Aber man hat eben kein Geld dafür auf den Tisch gelegt. Und jetzt kommt sozusagen die Stunde der Wahrheit. Und jetzt muss man eben sehen, ob tatsächlich die Politik bereit ist, den Nahverkehr zu erhalten oder ob man eben sagt: Nein, wir müssen einsparen.

Ich persönlich halte es für falsch, den Nahverkehr so zurückzufahren. Aber das ist eine Frage der politischen Logik und der politischen Mehrheit. Und wie gesagt, wir haben derzeit einen klaren Trend in diese Richtung, wenn es den Ländern nicht gelingt, den Bund zu überzeugen, doch mehr Geld auf den Tisch zu legen .

Woher könnte noch Geld kommen?

Böttger: Man könnte natürlich eine generelle Nahverkehrsabgabe erheben, die also auch die Autofahrer mitbezahlen müssen, aber das ist ein sicherer Weg, um Wahlen zu verlieren. Aber ich meine, man könnte fragen, derzeit wird wieder diskutiert, warum senken wir die Luftverkehrssteuer? Ich meine, der Flugverkehr ist in vielerlei Hinsichten subventioniert. Er zahlt eben keine Mineralölsteuer, er zahlt im internationalen Verkehr keine Umsatzsteuer, zahlt nur ganz, ganz begrenzt eben CO2-Abgaben - als der mit Abstand umweltschädlichste Verkehrsträger.

Politiker aller Parteien überbieten sich darin zu sagen: Wir sollten da keine Abgaben erheben oder die paar Abgaben, die es gibt, jetzt noch weiter senken. Sie wurden ja gerade um 2 Milliarden Euro jährlich gesenkt. Auch da könnte man natürlich Geld herbeschaffen. Die Ideen sind da. Ich glaube, man muss eben nur überlegen, dass man die Wirtschaft dabei nicht schädigt. Und wir haben in den letzten Jahren Mobilität immer billiger gemacht und jetzt ist der Punkt erreicht, wo dann eben die Leistungen entsprechend gekürzt haben

Das Interview wurde geführt von WDR-Reporterin Jessica Sturmberg.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 23.07.2026, 13:35 Uhr