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Deutschlands irre Entwicklungshilfe-Übersicht: Grüner Strom in Indonesien, LGBTIQ-Schulen in Vietnam

Grüner Strom in Indonesien, LGBTIQ-freundliche Schulen in Vietnam: Wofür Deutschland Entwicklungshilfe zahlt

Stand: 25.07.2026, 14:19 Uhr

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Kein Land zahlt mehr Entwicklungshilfe als Deutschland. Aber wofür eigentlich? Wir geben einen Überblick, wie das Geld ausgegeben wird.

Die Radwege in Peru wurden zum Symbol unnötiger Entwicklungshilfe. Deutschland schmeiße horrende Summen für sinnlose Projekte aus dem Fenster, so der Vorwurf. Insbesondere rechtspopulistische Akteure warfen hier teils völlig falsche Angaben in den Raum. 315 Millionen Euro habe der deutsche Steuerzahler für die Radwege in Lima geblecht, heißt es oft. In Wahrheit sind es 44 Millionen Euro, von denen bisher auch nur rund ein Viertel überhaupt ausgezahlt wurde. Dennoch prägen die Radwege die Debatte um Entwicklungshilfe noch immer. Die Frage, wofür Deutschland sein Geld ausgibt, kann man aber stellen. Der Münchner Merkur von Ippen.Media hat die seit 2025 umgesetzten Projekte ausgewertet, sie fallen also überwiegend in die Zeit der aktuellen Regierung aus CDU/CSU und SPD.

Unsere Karte zeigt, welche Länder wie viel Entwicklungshilfe aus Deutschland bekommen.

Unsere Karte zeigt, welche Länder wie viel Entwicklungshilfe aus Deutschland bekommen. © IMAGO / ZUMA Press Wire/Schmid/Montage

Fakt ist: Deutschland ist der größte Geldgeber weltweit. Nach den vorläufigen OECD-Zahlen für 2025 liegt die Bundesrepublik mit rund 26 Milliarden Euro öffentlicher Entwicklungsleistungen erstmals auf Platz eins. Diese Zahl umfasst auch vor 2025 gestartete Projekte, da die meisten Fördergelder auf mehrere Jahre verteilt sind. Seit 2025 sind insgesamt 3156 Projekte neu gestartet worden, wie aus Zahlen des Bundesentwicklungshilfeministeriums hervorgeht. Das Finanzierungsvolumen liegt bei 13,92 Milliarden Euro. 3,27 Milliarden Euro davon wurden bereits ausgezahlt, der Rest ist auf Folgejahre verteilt.

Indonesien erhält höchste Entwicklungshilfe-Summe

Das meiste Geld fließt in länderübergreifende Projekte. 1,46 Milliarden Euro soll es bis 2032 für die International Development Association geben. Die IDA ist eine Unterorganisation der Weltbank, die einkommensschwachen Ländern vergünstigte Kredite zur Armutsbekämpfung gewährt. 850 Millionen Euro werden bis 2033 für die sogenannte Multilaterale Entschuldungsinitiative veranschlagt. Dadurch werden ärmeren Ländern die Schulden erlassen, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen und ihre Wirtschaft reformieren. Durch die Schuldenbefreiung fehlt der Weltbank Geld, für das Deutschland und andere Länder aufkommen.

Die höchste auf ein Land zugeschnittene Entwicklungshilfe erhält Indonesien (siehe Karte). Bis 2029 bekommt der Inselstaat knapp 300 Millionen Euro für den „Green Energy Corridor Sulawesi“. Die deutsche Förderbank KfW leiht Indonesien dieses Geld zu günstigen Zinsen für eine neue Stromleitung, die grünen Strom, etwa aus Wasserkraft, auf der Insel Sulawesi zu den Städten transportiert. Weitere rund 260 Millionen Euro fließen in den Ausbau von Solar- und Windkraft sowie Stromnetzen und 230 Millionen Euro in ein neues S-Bahn-Netz.

In Indien laufen mehr als 100 Projekte. Je 200 Millionen Euro gibt es für die „Solarisierung landwirtschaftlicher Bewässerungspumpen sowie eine damit einhergehende Reduzierung der Treibhausgasemissionen“ und für die „Entwicklung von nachhaltigen Mobilitätslösungen“. Ausgaben in dieser Größenordnung gibt es auch in anderen Ländern. Ebenfalls je 200 Millionen Euro fließen für den Ausbau erneuerbarer Energien in Südafrika sowie für die „klimarelevante Finanzierung marokkanischer Kommunen“. Alle Projekte sind auf mehrere Jahre verteilt. Bei den größten Fördergeldern geht es also insbesondere um Energie- und Klimapolitik. Da überrascht es nicht, dass der Sektor „Energieerzeugung, -verteilung und -effizienz“ den derzeit größten Förderrahmen einnimmt.

Neben Energie- und Klimapolitik gibt es aber auch Geld für andere Projekte. Das Ministerium listet auch etliche Projekte unter dem Aspekt „Staat und Zivilgesellschaft“ auf. Darunter fallen etwa 150 Millionen Euro für die „Friedensagenda“ in Kolumbien oder etwa 34 Millionen Euro für die „gesellschaftliche Beratung“ in Subsahara-Afrika. Laut Ministeriumsangaben geht es hier um „Aktivitäten zur politischen Bildung, Vernetzung, Dialog und Politikberatung".

„LGBTIQ+-freundliche Schulen“ in Vietnam

Zu Ampelzeiten hatte vor allem die Förderung von LGBTQI+-Rechten im Ausland für Kritik gesorgt. Politiker von AfD, aber auch CDU und CSU prangerten die Mittel als Teil der „Woke-Ideologie“ an. Gänzlich vom Tisch sind die geschlechtsbezogenen Gelder aber auch heute nicht. 600.000 Euro fließen bis 2028 nach Vietnam zur „Förderung der Inklusion von LGBTQI+“, unter anderem für den Aufbau „LGBTQI+-freundlicher Schulen“. Das Akronym LGBTQI+ steht für verschiedene sexuelle und geschlechtsbezogene Identitäten, von L für lesbisch bis I für intergeschlechtlich.

170.000 Euro erhält eine Organisation in Zentralamerika, der Karibik und Mexiko für einen „menschenrechtsbasierten Ansatz für die diskriminierte LGBT-Bevölkerung“ – mit Fokus auf das „gesunde Altern von LGBT+-Personen“. Und 1,1 Millionen Euro fließen 2026 in eine globale Datenbank der Organisation ILGA World, die weltweit Gesetze zu sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität dokumentiert.

Meiste Entwicklungshilfeprojekte in der Ukraine

Die meisten Entwicklungshilfeprojekte fließen in die Ukraine. Das vom Krieg gezeichnete Land taucht zwar nicht in den Top-10 der Länder mit dem größten Förderungsvolumen auf, erhält mit 105 aber die meisten Einzelprojekte. Knapp 60 Millionen Euro gibt es für die Stärkung der Kommunen in der Ukraine, 40,5 Millionen Euro für die Unterstützung kleinerer und mittlerer Unternehmen und 39,7 Millionen Euro für die „Unterstützung des EU-Beitrittsprozesses der Ukraine im Bereich Wirtschaft“. Neben dieser klassischen Entwicklungshilfe erhält die Ukraine aber auch mehrere Sonderzuschüsse, rund um Militär- und Notfallhilfe. Die Zahlen gehen hier in die Milliarden Euro. Präsent ist die Bundesregierung auch in Indien (102 Projekte), Brasilien (79), Kolumbien (59) und auf den Philippinen (57; siehe Grafik).

Im Transparenzportal des Entwicklungsministeriums finden sich aber auch kleinere Summen. So gibt es Unterstützung für mehrere Projekte des Förderprogramms „Engagiert die Welt gestalten“, die in entwicklungspolitische Bildungsarbeit in Deutschland fließen. 450 Euro gibt es für das Projekt „Heißen Tee für eine Welt“, 539,24 Euro für „Mensch und Natur, Konflikte im Lebensraum Regenwald“. Und auch andernorts wird es auf den ersten Blick kurios: Für eine „Wassermodenshow the way of water“ zahlt der Bund 19.764 Euro, für eine „Öffentliche Schokoladenwerkstatt“ beim Familienfest der Naturfreunde 1.173 Euro. Bei mehr als 3000 Projekten finden sich naturgemäß auch solche eher ungewöhnlichen Titel. Wie viel Geld es in Zukunft für Entwicklungshilfe gibt, ist derweil unklar. Die schwarz-rote Bundesregierung will die Hilfen kürzen.

Der Etat des Entwicklungshilfeministeriums soll auf 9,469 Millionen Euro gesenkt werden. Das sind knapp 600 Millionen Euro weniger als im laufenden Jahr. Bundesentwicklungshilfeministerin Reem Alabali Radovan (SPD) hatte sich zuvor im Interview mit unserer Redaktion für mehr Entwicklungshilfe ausgesprochen: „Angesichts der weltpolitischen Lage müssen wir mehr in unsere Sicherheit investieren“, sagte die SPD-Politikerin. „Und da zähle ich die Entwicklungspolitik klar dazu – im Dreiklang mit Verteidigungs- und Außenpolitik.“ (Quellen: Transparenzportal des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, eigene Recherchen)