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Fliegende Autos, KI und Kampfpreise: Autobauer Xpeng drängt auf den deutschen Markt

Der chinesische Premiumhersteller Xpeng hatte Mitte Juli in den Showpalast in München geladen, um vor Fachpublikum die Weltpremiere des Kompakt-SUVs L03 zu feiern. Die Wahl des Veranstaltungsortes ist alles andere als Zufall. In München betreibt das Unternehmen ein Entwicklungszentrum. Von hier aus soll der deutsche Markt aufgerollt werden – für das Unternehmen der Schlüsselmarkt auf dem Weg zum globalen Hersteller.

Das Auto kann sich sehen lassen: futuristisches Design, ein aufgeräumter Innenraum mit einem riesigen 15,2-Zoll-Touchdisplay in der Mittelkonsole. Dazu Technologie, die eigentlich nur in Fahrzeugen der Oberklasse anzutreffen ist: reichlich Fahrassistenzsysteme, serienmäßiges Head-up-Display (HUD) und hochwertige Verarbeitung. Das Unternehmen verspricht eine rein elektrische Reichweite von 520 Kilometern (WLTP), mit Range Extender sogar eine Reichweite von knapp 1.000 Kilometern. Der Preis ist eine Kampfansage: Der L03 soll hierzulande ab 35.600 Euro angeboten werden.

Mit KI-Chip und großer Reichweite gegen Tesla und die deutsche Konkurrenz

Herzstück sind der selbst entwickelte KI-Chip namens Turing und das KI-Framework VLA 2.0, die nach Unternehmensangaben schon jetzt weitestgehend autonomes Fahren in der Stadt und auf der Autobahn ermöglichen sollen. Xpeng sieht sich schon jetzt auf Augenhöhe mit Tesla oder europäischen Premiumanbietern und positioniert sich als KI-Firma, die nebenbei auch Fahrzeuge baut. Nun greift das Unternehmen nach dem Weltmarkt, und Deutschland soll der Anfang sein. Die Ambitionen sind jedenfalls groß.

Dabei wurde Xpeng erst vor zwölf Jahren in Guangzhou vom Tech-Milliardär He Xiaopeng gegründet – dem „chinesischen Elon Musk“. He wurde 1977 in der zentralchinesischen Provinz Hubei geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Nach dem Studium der Informatik gründete er das Softwareunternehmen UCWeb, das 2014 für kolportierte 4,3 Milliarden US-Dollar vom chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba übernommen wurde.

He erkannte die Chancen der E-Mobilität und stieg in der Folge als Seed-Investor bei einem obskuren Automobil-Start-up ein. He Xiaopeng benannte das Unternehmen kurzerhand nach sich selbst um. Xpeng war geboren. Mittlerweile zählt der Autobauer auf seinem chinesischen Markt zu den Großen. Knapp 380.000 Elektroautos konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr verkaufen und besetzt eine ähnliche Nische wie Tesla hierzulande: Cutting-Edge-Technologien und ein klarer Fokus auf Elektromobilität.

Xpeng-Gründer He Xiaopeng will mittels KI den Automarkt aufmischen: Der 48-Jährige wurde mit Software reich.

Xpeng-Gründer He Xiaopeng will mittels KI den Automarkt aufmischen: Der 48-Jährige wurde mit Software reich.

© lichunling/Xpeng

2020 kam Xpeng zunächst nach Norwegen, seit 2024 ist das Unternehmen auch hierzulande vertreten. Mit wachsendem Erfolg. Im ersten Jahr habe man in Deutschland knapp 2.000 Autos verkauft, sagt Zentraleuropa-Chef Markus Schrick, 2025 waren es bereits 8000, 2026 sollen es 20.000 werden. Der neue L03 soll den Durchbruch bringen, die Wachstumspläne sind aggressiv. Zum Vergleich: Tesla konnte im ersten Halbjahr 2026 laut Kraftfahrt-Bundesamt von seinem Model Y genau 19.701 Einheiten verkaufen.

Zukunft der Mobilität? Fliegende Autos

Im deutschen Automobilmarkt ist Vertrauen wichtig, sagt Markus Schrick. Deswegen setze man auf enge Kooperationen mit etablierten Autohändlern. „Menschen müssen die Produkte nicht nur erklärt bekommen, sondern müssen sie auch sehen“, sagt He Xiaopeng in München. Ein eigenes Netz von Servicestationen soll zusätzlich Bedenken nehmen.

Perspektivisch will sich Xpeng als Premiummarke mit globaler Strahlkraft positionieren. Doch die Chinesen haben noch weitaus mehr vor. Der CEO denkt langfristig und sei selbst in die Entwicklung involviert, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Noch in diesem Jahr will Xpeng als erster Hersteller der Welt unter der Submarke „Aridge“ mit der Massenproduktion von fliegenden Autos beginnen. In der südchinesischen Provinz Guangdong wurde erst kürzlich die entsprechende Hightech-Fabrik fertiggestellt. Auf 120.000 Quadratmetern Fläche soll dort ab November 2026 der „Land Aircraft Carrier“ vom Band rollen. Ein modulares Konzept, das aus einem mehr als vier Tonnen schweren, dreiachsigen Bodenfahrzeug und einer Passagierdrohne besteht.

Aridge-Vizepräsident Wang Tan verspricht, dass „jeder, der ein Auto fahren kann, innerhalb von fünf Minuten die Drohne beherrschen kann“. Kenntnisse im Fliegen seien nicht zwingend notwendig. Die Steuerung erfolgt über einen Joystick und ist weitestgehend autonom, die KI soll den komplizierten Part übernehmen. Spektakulär sieht es allemal aus, wenn die Drohne wie durch Geisterhand aus dem Heck des futuristischen Vans gefahren wird und sich entfaltet. Auch dieses Fahrzeug soll im Wesentlichen auf dem eigenen KI-Framework VLA 2.0 und dem selbst entwickelten Turing-Chip basieren. Für die Xpeng-Entwickler eine logische Weiterentwicklung vom autonomen E-Auto.

Futuristisch: Der Xpeng-Aridge Land Aircraft Carrier soll nich in diesem Jahr ausgeliefert werden.

Futuristisch: Der Xpeng-Aridge Land Aircraft Carrier soll nich in diesem Jahr ausgeliefert werden.

© Xpeng

Mindestens 20.000 Einheiten des Land Aircraft Carriers sollen pro Jahr gefertigt werden. Den Preis gibt das Unternehmen mit rund 300.000 US-Dollar an. Das mehr als vier Tonnen schwere Bodenfahrzeug dient als Aufladestation für die zweisitzige Drohne. Xpeng verspricht, dass der verbaute Akku genug Strom für sechs Rundflüge von jeweils einer Stunde liefern soll. Reichweite: einige Dutzend Kilometer.

Schon 2027 soll das Fahrzeug in China angeboten werden. Dazu will das Unternehmen „mindestens 200 Servicestationen im ganzen Land“ bauen, die als „Ausgangspunkt für szenische Entdeckungsreisen dienen“, sagt Xpeng-Aridge-Vizepräsident Wang Tan. Die chinesische Luftfahrtbehörde will das Fahrzeug im Schnellverfahren zulassen. Danach habe man die Golfstaaten im Visier.

Der „Land Aircraft Carrier“ mag als Spielzeug für vermögende Menschen daherkommen. Doch auch dahinter steht offenbar eine klare Strategie. In zwei bis drei Jahren soll das Senkrechtstart-Fluggerät mit Kipprotor-Technologie und Hybrid-Antrieb A868 auf den Markt kommen: als Stand-alone-Lösung ohne Bodenfahrzeug mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern und einer Reisegeschwindigkeit von 360 km/h. In zehn Jahren sollen fliegende Autos etabliert sein, so die Vision von Xpeng-Chef He Xiaopeng.

In Deutschland wird das neuartige Verkehrsmittel allerdings wohl nicht so schnell verfügbar sein. Die Regularien für die Zulassung seien extrem kompliziert, zudem müssten Interessierte wohl über einen Pilotenschein verfügen. He Xiaopeng hält das Potenzial bei fliegenden Autos für groß, trotzdem müsse der Markt dafür erst entstehen. Für die nächsten zehn Jahre sieht er den Anteil fliegender Autos im urbanen Markt bei fünf bis zehn Prozent. Größtes Hindernis seien Lärm und die Belastbarkeit des Luftraums.

Wird Xpeng die VW-Fabriken übernehmen?

Als drittes Standbein betrachtet Xpeng die Sparte mit humanoiden Robotern. Auch hier will man zu einem der führenden Anbieter aufsteigen. Ungewöhnlich: Der eigene Roboter „Iron“ erinnert in der Form an eine menschliche Frau und besticht durch ein besonders menschliches Gangbild. An der Frage, ob „Iron“ für den Einsatz in Fabriken oder gar für den Einsatz im Weltraum konzipiert ist, bleibt das Unternehmen vage – anders als etwa Teslas Optimus, der vorangig für die Industrie konzipiert ist. Auf der anderen Seite droht China durch die mittlerweile zurückgefahrene Ein-Kind-Politik ein Frauenmangel von epischem Ausmaß. Ein Schelm, der sich Böses denkt.

Xpengs humanoider Roboter Iron besticht laut Unternehmen durch seinen besonders menschlichen Gang.

Xpengs humanoider Roboter Iron besticht laut Unternehmen durch seinen besonders menschlichen Gang.

© Xpeng

Wie dem auch sei: Obwohl Xpeng als Automobilhersteller anfing, plant He Xiaopeng groß. „Das Auto ist heutzutage eines der komplexesten Hightech-Produkte überhaupt“, sagt er. Doch die Entwicklung geht in eine andere Richtung: Physical AI, also eine künstliche Intelligenz, die nicht ausschließlich auf Text basiert, sondern auf einer Vernetzung von Sensoren, Kameras und Motoren und die fähig ist, die unmittelbare Umgebung in Echtzeit zu simulieren.

Derartige Systeme können selbstständig Entscheidungen treffen und nahezu jedes Fahrzeug sicherer und effizienter als jeder Mensch bedienen. He geht fest davon aus, dass Physical AI mittelfristig deutlich stärker in jedes Xpeng-Produkt integriert sein werde. „Das Jahr 2030 wird ein wichtiger Meilenstein.“ Xpeng werde dann ein KI-Unternehmen sein, das sich auf Transportanwendungen konzentriere, und eben kein klassischer Autobauer, der lediglich KI in seine Produkte integriert.

Blick in den Xpeng L03: Abgerundete Kanten und eine verlgeichsweise minimales Design. „Visual Flow“ nennen die Designer die Formsprache.

Blick in den Xpeng L03: Abgerundete Kanten und eine verlgeichsweise minimales Design. „Visual Flow“ nennen die Designer die Formsprache.

© xxx

Um dieses Ziel zu erreichen, sind schon jetzt mehr als 40 Prozent der weltweit knapp 20.000 Mitarbeiter nicht in Produktion oder Verwaltung tätig, sondern in Forschung und Entwicklung. Trotzdem wollen die Chinesen eigene Fabriken weltweit betreiben. Neben den drei hochtechnologisierten Smart-Fabriken in China montiert Xpeng auch in Europa, beim Auftragsfertiger Magna im österreichischen Graz.

Auf die Frage, ob er eventuell bei den Fabriken des angeschlagenen Volkswagen-Konzerns in Deutschland und besonders in Ostdeutschland einsteigen will, antwortet He Xiaopeng vielsagend: „Xpeng ist grundsätzlich bereit, entsprechende Optionen zu besprechen.“ Grundsätzliche Verhandlungen oder Ergebnisse wollte er jedoch nicht bestätigen. Man prüfe gemeinsam mit Partnern, welche Möglichkeiten bestehen. He Xiaopeng argumentierte jedoch auch, dass Standortentscheidungen nicht ausschließlich von niedrigen Löhnen abhängen sollten. „Gute Standorte, qualifizierte Beschäftigte und faire Rahmenbedingungen seien langfristig wichtig.“ Derzeit arbeitet Xpeng nach eigenen Angaben mit mehr als 20 namhaften deutschen Zulieferunternehmen zusammen: darunter Bosch, Schaeffler und ZF Friedrichshafen.

Naheliegend wäre eine Xpeng-Fertigung in Deutschland aber allemal. Seit Juli 2023 hält VW über seine chinesische Tochter Volkswagen Group China rund fünf Prozent der Anteile an Xpeng, dessen Aktien an der New York Stock Exchange (NYSE) und der Börse Hongkong gelistet sind. Schlappe 700 Millionen US-Dollar ließen die Wolfsburger sich den Deal kosten. Im Gegenzug werden die Chinesen den Deutschen helfen, neue E-Autos zu entwickeln. Vielleicht kommt die Zukunft schon bald tatsächlich aus Fernost.

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