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Pelz-Debatte: Farahnos (25) gründet Echtpelz-Marke und erntet Shitstorm

Publiziert23. Juli 2026, 21:11

Heftige KritikFarahnos gründet Pelzmarke: «Dank Shitstorm fanden mich Kunden»

Die deutsche Unternehmerin Farahnos Dehkonova (25) plant eine Echtpelz-Marke. Auf Social Media erntet sie dafür heftige Kritik – erreicht aber auch potenzielle Kunden. Wir haben mit ihr gesprochen.

Malin Mueller

«Ich gründe eine Pelzbrand», verkündet Farahnos Dehkonova auf Tiktok und Instagram. Die Unternehmerin und Content Creatorin zeigt sich seit Jahren in Mänteln und Jacken aus Echtpelz und spricht auf ihren Kanälen regelmässig über verschiedene Tierfelle. Nun will die 25-Jährige daraus ein eigenes Geschäftsmodell machen – und eine Echtpelz-Marke gründen. Das sorgt für heftige Kritik.

Unter Dehkonovas Beiträgen finden sich Kommentare wie «Das ist einfach ekelhaft», «Das muss gestoppt werden» oder «Das gehört verboten». Der deutsche Influencer Jonas Ems widmete Dehkonova und anderen Pelzträgerinnen und Pelzträgern gar ein Youtube-Video. Darin spricht der überzeugte Veganer von einer Bubble aus «Fur-Fluencern», die Pelz wieder zum Trend machen und romantisieren würden. Er sagt: «Ich dachte, Pelz ist out.»

Doch neben Kritik erhält Dehkonova auch Zuspruch für ihre Pläne – und bereits konkrete Produktwünsche. Userinnen und User fragen nach Pelzmützen aus Rotfuchs oder Jacken mit Kaninchenfellkragen. «Du bist die Pelzgöttin», kommentiert ein Fan unter einem ihrer Videos.

Wie stehst du zum Tragen von Echtpelz?

Ich finde es absolut nicht mehr zeitgemäss und lehne es ab.

Wenn er verantwortungsvoll produziert wird, ist es für mich in Ordnung.

Neu geht es gar nicht, bei gebrauchten Pelzen finde ich es okay.

Ich sehe keinen Unterschied zu Leder oder Wolle, wenn Tiere genutzt werden.

Ich trage selbst Echtpelz oder würde ihn tragen.

Ich habe dazu keine feste Meinung.

«Pelz wird moralisch anders bewertet»

Im Gespräch mit 20 Minuten verteidigt Dehkonova ihr Vorhaben. Für sie gehöre Pelz zur gleichen Grundsatzdiskussion wie Leder oder Wolle. «Wenn wir Tiere als Gesellschaft nutzen, finde ich es nicht konsequent, bei Pelz die moralische Grenze zu ziehen.» Sie wolle Tierleid nicht rechtfertigen, sondern die unterschiedliche Bewertung hinterfragen. «Millionen Menschen tragen täglich Leder und nutzen Materialien wie Schafwolle – in Kleidung, Accessoires und Autos. Dennoch steht Pelz im Fokus der Debatte.»

Wer vegan lebe und jede Nutzung von Tieren ablehne, vertrete für sie eine konsequente Haltung. «Das respektiere ich», so Dehkonova. Weniger Verständnis habe sie für Personen, die Leder tragen, gefütterte Daunenjacken haben, aber Pelz verurteilen: «Heutzutage gibt es für alles Ersatzprodukte. Da zählt keine Ausrede, um sein Gewissen reinzuwaschen.»

Nicht «ethisch», sondern rechtlich nachvollziehbar

Dehkonova spricht nicht von «ethischem», sondern von «verantwortungsvoll produziertem und rechtlich nachvollziehbarem» Pelz. Verwendet würden nur legal gehandelte und importierte Materialien. Welche Tierfelle genutzt werden sollen, sagt Dehkonova nicht. «Ich werde meiner Konkurrenz nicht meine gesamte Lieferkette offenlegen.»

Auch über die Haltung, Tötung und Verarbeitung der Tiere wolle sie sprechen. «Ich habe kein Interesse daran, etwas zu verstecken. Aber ich würde solche Inhalte verantwortungsvoll zeigen und nicht als Schockmaterial inszenieren.» Sie kritisiert, dass Gegnerinnen und Gegner teilweise Aufnahmen von besonders schlechten Farmen zeigten, die nicht in die EU liefern dürften.

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«Wollte ursprünglich mit Kunstpelz starten»

Im Interview erzählt Dehkonova, ursprünglich habe sie mit hyperrealistischem Kunstpelz starten wollen. «Das war meine erste Idee.» Die öffentliche Reaktion habe ihre Haltung verändert: «Ich wurde schon verurteilt und als schlechter Mensch dargestellt, obwohl es noch keine fertige Marke oder Produkte gab.» Deshalb wolle sie die Entscheidung auf «Basis meiner eigenen Überzeugung» treffen und Echtpelz anbieten. Gleichzeitig plant die Unternehmerin, Vintage-Pelze anzukaufen, aufzubereiten und weiterzuverkaufen, «um den Lebenszyklus bereits bestehender Produkte zu verlängern».

Ursprünglich wollte Farahnos Dehkonova ihre Marke mit Kunstpelz starten, wie ihn hier etwa Unternehmerin Hailey Bieber trägt.

Ursprünglich wollte Farahnos Dehkonova ihre Marke mit Kunstpelz starten, wie ihn hier etwa Unternehmerin Hailey Bieber trägt.Instagram/haileybieber

Morddrohungen und Beleidigungen

Nach eigenen Angaben blieb es nicht bei sachlicher Kritik. Dehkonova berichtet von Beleidigungen, persönlichem Hass, Fremdenfeindlichkeit und mehrfachen Morddrohungen. «Konstruktive Kritik bedeutet für mich, Fragen zu stellen, Argumente auszutauschen und auch Lösungsvorschläge zu machen. Hass hingegen verändert die Meinung von niemandem.»

Strafbare Nachrichten habe sie ihrem Anwalt übergeben. Die Fälle würden nun aufgearbeitet. «Wer denkt, man könne im Internet alles schreiben, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, irrt sich.» Die Unternehmerin wolle zeigen, dass auch online Grenzen gelten.

«Viele haben mich wegen dem Shitstorm gefunden»

Dehkonova betrachtet Pelz nicht als kurzfristigen Trend: «Pelz ist nichts, das man eine Saison trägt und danach wegwirft. Es ist ein Luxusprodukt, welches oft viele Jahre oder sogar Generationen überdauern kann.» Käuferinnen und Käufer würden deshalb besonders auf Qualität, Verarbeitung und Vertrauen achten.

Der «öffentliche Shitstorm» – wie ihn die Unternehmerin selbst bezeichnet – habe ihr zudem etwas gezeigt: «Es haben sich viele Menschen bei mir gemeldet, die selbst Pelz tragen oder sich für das Thema interessieren. Viele davon hätten mich ohne diese Aufmerksamkeit wahrscheinlich nie gefunden.» Ihren Plan aufgeben will sie daher nicht: «Ich werde meinen Weg weitergehen und Verantwortung für meine Entscheidungen übernehmen.»

Wie Dehkonovas Label heissen wird und wann es launcht, ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels nicht bekannt.

Malin Mueller

Malin Mueller (mmu) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin Lifestyle und Beauty-Redaktorin. Ihr Fokus: Hautpflege, Frisuren und Trend-Checks.

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