Stand: 13.07.2026, 16:57 Uhr
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Einst war er Spitzenkandidat der AfD Niedersachsen, nun wurde er aus der Fraktion ausgeschlossen: Die Hintergründe um Marzischewski-Drewes‘ Abgang sind unklar.
Hannover – Der ehemalige AfD-Fraktionsvorsitzende Stefan Marzischewski-Drewes wandte sich bereits mit anderen am 2. Februar in einem Brandbrief an den Bundesvorstand, in dem Sorgen bezüglich seines Landesverbandes formuliert wurden: „Ohne Ihr zügiges und beherztes Eingreifen ist unsere Partei der Alternative für Deutschland in Niedersachsen verloren.“ Doch die Spitze der sogenannten „in Teilen“ extrem rechten Partei, Alice Weidel und Tino Chrupalla, scheint wohl nicht eingegriffen zu haben.

Stefan Marzischewski-Drewes war 15 Monate lang AfD-Fraktionsvorsitzender in Niedersachsen. (Archivbild) © Julian Stratenschulte/dpaZumindest wird die dortige AfD seit Februar 2026 vom niedersächsischen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft – und Marzischewski-Drewes wurde aus der Landtagsfraktion ausgeschlossen. Die genauen Hintergründe sind jedoch nicht eindeutig. Sein Nachfolger Klaus Wichmann erklärte hierzu laut dpa, dass der 60-Jährige aus der Partei ausgetreten sei und laut Satzung damit nicht mehr Mitglied der Fraktion sein könne.
AfD Niedersachsen schließt Ex-Fraktionschef aus
Marzischewski-Drewes hingegen sagte auf dpa-Anfrage, dass er weder aus der Partei noch aus der Fraktion aktiv ausgetreten sei. Wie es weiter heißt, soll seine Mitgliedschaft wegen ausstehender Mandatsträgerabgaben erloschen sein. Die AfD-Fraktion habe ihn aufgefordert, sein Landtagsmandat niederzulegen. Er habe es „als AfD‑Mitglied und im Vertrauen unserer Mitglieder“ erworben, ergänzte Wichmann. Marzischewski-Drewes könnte als fraktionsloser Abgeordneter im Landtag bleiben. Anfang 2024 hatte bereits der Abgeordnete Jozef Rakicky die AfD verlassen, sein Landtagsmandat aber behalten.
Marzischewski-Drewes, der auf seiner Website Stand jetzt noch als „Spitzenkandidat“ Werbung für die eigene Person macht, hatte dem AfD-Landesverband Ende April erneut in einem Interview mangelnde innerparteiliche Demokratie vorgeworfen. Der Parteispitze in Niedersachsen hielt er vor, keine anderen Meinungen zuzulassen: „Die Kreisverbände wurden auf Linie gebracht, die Zahl der Delegierten reduziert, die kritischen Geister werden vergrault“, sagte er nach dem Landesparteitag in Dötlingen (Landkreis Oldenburg) der Braunschweiger Zeitung.
Zur Landtagswahl 2022 war Marzischewski-Drewes als Spitzenkandidat der AfD angetreten. Seit Ende 2022 ist er Mitglied des Landtags, von November 2022 bis Februar 2024 war er in Niedersachsen Vorsitzender der AfD-Fraktion. Den jüngsten Parteitag bezeichnete er übrigens als „Tiefpunkt“ – im Hinblick auf Regierungsfähigkeit: „Regierungsfähigkeit? Nicht einmal ein Leitantrag wurde beschlossen. Das gehört zu einer seriösen Partei. Dieser Parteitag war eindeutig ein Tiefpunkt.“
Die AfD hat die Vorwürfe von Marzischewski-Drewes stets zurückgewiesen. „Die AfD Niedersachsen ist geschlossen wie nie“, teilte der Landesverband zu dem Interview mit. Mitglieder und Abgeordnete könnten Kritik direkt an den Landesvorstand richten und fänden dort Gehör. (Quellen: dpa, eigene Recherche) (ktho)