Erklärt
Handelsstreit mit den USA: Welche Zölle drohen der Schweiz nun?
Am 24. Juli laufen die befristeten 10-Prozent-Zölle der USA auf Schweizer Waren aus. Der Handelsstreit zwischen Bern und Washington ist damit längst nicht beendet. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
22.07.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten

Donald Trump am «Liberation Day» im April 2025. Welche Zölle hält er nun für die Schweiz bereit?
Mark Schiefelbein / AP
Welche Zölle gelten heute?
Derzeit erheben die USA auf die meisten Schweizer Waren einen pauschalen Zusatzzoll von 10 Prozent. Hinzu kommen bereits bestehende Sonderzölle für einzelne Branchen. Betroffen sind unter anderem die Medtech-Industrie sowie Produzenten von Stahl oder Aluminium.
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Die 10-Prozent-Zölle, die alle wichtigen Handelspartner der USA treffen, sind jedoch nur eine Übergangslösung. Sie gelten bis zum 24. Juli. Die amerikanische Regierung hatte sie im Februar 2026 eingeführt. Dies unmittelbar nachdem das Oberste Gericht der USA jene Strafzölle für illegal erklärt hatte, die Donald Trump am «Liberation Day» vom April 2025 gegenüber zahlreichen Handelspartnern angekündigt hatte.
Zeitgleich verhandelt die Schweiz mit den USA noch immer über ein Zollabkommen. Dieses basiert auf einer Absichtserklärung von November 2025, die festlegt, dass die USA auf Schweizer Einfuhren höchstens 15 Prozent Zölle erheben.
Was ist in den vergangenen Wochen passiert?
Die Schweiz und die USA verhandeln seit Monaten intensiv über ein Handelsabkommen. Gleichzeitig hat die amerikanische Regierung im Frühjahr zwei Untersuchungen gegen die Schweiz eingeleitet. Eine wegen angeblich ungenügender Massnahmen gegen den Import von Waren aus Zwangsarbeit sowie eine wegen mutmasslicher industrieller Überkapazitäten. Als Basis dieser Untersuchungen dient die Section 301 des amerikanischen Handelsgesetzes von 1974. Die Untersuchungen betreffen auch zahlreiche andere Staaten.
Welche neuen Zölle könnten die Schweiz ab dem 24. Juli treffen?
Von den beiden Untersuchungen hat die amerikanische Regierung erst das Verfahren zur Zwangsarbeit abgeschlossen. Der amerikanische Handelsbeauftragte Jamieson Greer hat Anfang Juni empfohlen, auf Importe aus der Schweiz einen Zusatzzoll von 12,5 Prozent zu erheben. Dies, weil die Schweiz kein ausdrückliches Einfuhrverbot für mit Zwangsarbeit hergestellte Waren kennt. Anders als die EU, die wie viele andere Länder einen Zoll von 10 Prozent auferlegt erhalten dürfte. Laut Washington verzerrt die Schweiz die globalen Marktbedingungen, und das zum Schaden amerikanischer Firmen und Arbeitnehmer. Die Empfehlung ist noch nicht definitiv, dürfte aber die Grundlage für das Zollregime nach dem 24. Juli bilden.
Weniger weit ist das zweite Verfahren wegen industrieller Überkapazitäten. Betroffen von dieser Untersuchung sind 16 der wichtigsten Handelspartner der USA, die zumeist einen bedeutenden Überschuss im bilateralen Güterhandel aufweisen. Das Verfahren läuft noch. Welche Produkte betroffen wären und wie hoch allfällige Zölle ausfallen könnten, ist offen. Die Schweiz weist allerdings keinen Überschuss mehr auf.
Was kommt nun auf die Schweiz zu?
Vieles hängt davon ab, wie Washington die Untersuchungsergebnisse für sich nutzen will. Als am wahrscheinlichsten gilt, dass Donald Trump dem Vorschlag von Greer folgt und den Zusatzzoll von 12,5 Prozent beschliesst.
Gleichzeitig versucht der Bundesrat, in Verhandlungen mit Washington Ausnahmen oder Erleichterungen zu erreichen. Der Bundespräsident Guy Parmelin reiste vom 29. Juni bis zum 9. Juli in die USA, um mit dem amerikanischen Handelsbeauftragten Jamieson Greer über die Zölle zu verhandeln. Gut wäre gewesen, hätte er die Verhandlungen vor dem 24. Juli abschliessen können. Nun muss der Bundesrat hoffen, die Auswirkungen der neuen Massnahmen abfedern zu können. Ziel ist ein Handelsabkommen, das Schweizer Unternehmen langfristig einen möglichst diskriminierungsfreien Zugang zum amerikanischen Markt sichert. Ob die Gespräche noch Einfluss auf die nun anstehenden Entscheide haben, ist allerdings offen.
Wie stehen die Chancen für eine Einigung mit den USA?
Greer äusserte sich jüngst zwar positiv über die Schweiz. «Die Schweizer machen viele der Dinge richtig, die sie tun müssen, um mit den USA klarzukommen», sagte er in einem Interview mit dem Fernsehsender Bloomberg Television. Trotz den positiven Tönen aus Washington gibt es für die Schweiz keine Garantie, dass sie von neuen Zöllen verschont bleibt. Greer lobte zwar die Verhandlungen und die Entwicklung des amerikanischen Handelsbilanzdefizits gegenüber der Schweiz. Zusagen machte er jedoch keine.
Entsprechend gross ist in Bern die Anspannung. Der Bundesrat will eine ähnlich unangenehme Überraschung wie im vergangenen Sommer verhindern. Damals konnte die Schweiz im Handelsstreit mit den USA keine Lösung finden. Donald Trump überraschte die Schweiz nach einem Telefonat mit Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter mit der Ankündigung von Zöllen von 39 Prozent.
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