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„Erfolgsquote von annähernd 100 Prozent“: „Repair-Café“ haucht alten Gebrauchsgegenständen neues Leben ein

Stand: 20.07.2026, 18:00 Uhr

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Daniel Heerd macht sein neues Ehrenamt im „Repair Café“ viel Spaß. Ob er die zerlegte Stichsäge wieder zusammengebaut bekommt?

Daniel Heerd macht sein neues Ehrenamt im „Repair Café“ viel Spaß. Ob er die zerlegte Stichsäge wieder zusammengebaut bekommt? © Christine Wölfle

Geht nicht, gibt’s nicht. Oder nur selten. Seit sieben Jahren gibt es in der Stadt das „Repair Café“ – und es ist eine wahre Erfolgsgeschichte. Sowohl für die Tüftler als auch für die „Kunden“.

Schongau – Gleich zwei „Patienten“ hat Martina Kowatsch aus Ingenried zum monatlich stattfindenden „Repair Café“ in die Räume der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Karmeliterstraße in Schongau mitgebracht. Eine kaputte Nähmaschine und eine Miniaturkamera, mit der sie Vögel beobachtet. „Einer hat mit seinem Schnabel die Stromversorgung abgebissen“, sagt sie und lacht. Ob er wohl mehr Privatsphäre wollte?

Die bekommt er ab sofort nicht mehr. Denn die Kamera ist ein Fall für Reinhard, der seit zwei Jahren zum 14-köpfigen Team der Reparierer gehört. Mit unendlich viel Geduld und Fingerspitzengefühl stellt er sich dieser Fieselarbeit. Und schafft es, die Mini-Kamera wieder zum Laufen zu bringen. „Bei alten Geräten haben wir eine Erfolgsquote von annähernd 100 Prozent“, sagt Theo Völker, der vor sieben Jahren das „Repair Café“ ins Leben gerufen hat.

Die Atmosphäre im „Repair Café“ ist locker, auch bei den fleißigen Damen der Textil-Abteilung.

Die Atmosphäre im Schongauer „Repair Café“ ist locker, auch bei den fleißigen Damen der Textil-Abteilung, die mit zum rührigen Team gehören. © Christine Wölfle

Drei Mitstreiter sind seit dieser Zeit immer noch mit dabei, viele andere kamen dazu. Wie beispielsweise Daniel Heerd vor einem Jahr. „Ich habe nach einem sinnvollen Ehrenamt gesucht, viel gegoogelt und bin schließlich auf diese Einrichtung gestoßen“, erinnert er sich. Doch einfach so hingehen und gleich mitmachen, hat er sich nicht getraut. „Ich habe einen kaputten Pulli herausgesucht, den ich zum Flicken gebracht habe“, sagt er mit einem Schmunzeln.

„Spionage“ und „Allrounder“

Die „Spionage“ hat sich gelohnt: Seitdem ist er mit im Boot. Vor allem im Bereich Elektrik. „Aber eigentlich sind wir alle Allrounder“, betont er. An diesem Tag hat er ein „Stichsägen-Puzzle“ vor sich. „Irgendjemand hat die komplett zerlegt, und ich schaue jetzt, ob ich sie wieder zusammenbekomme.“ Kleiner Spoiler: Hat er.

Ob Drucker, Dia-Projektoren, Heizlüfter, Aktenvernichter, Dampfglätter, Hosen zum Flicken oder kürzen, Handwerksgeräte oder alte Radios: Die Mitglieder des „Repair-Cafés“ fürchten sich vor keiner Aufgabe. „Immer öfter kommen Menschen mit kaputten Staubsaugern zu uns“, weiß Theo Völker. Denn: Die alten Geräte haben noch viel mehr Power als die neuen. Die schmeißt man nicht gern weg.

Das ist auch sein großes Anliegen: „Ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr Menschen mit scheinbar hoffnungslos kaputten Sachen zu uns kommen. Und wenn es nur dafür ist, dass sie sich von uns eine Bestätigung holen, dass man wirklich nichts mehr reparieren kann.“ Denn von vornherein aufgegeben wird dort nichts.

Und wenn ein Mitarbeiter nicht weiterweiß, fragt er einen Kollegen. „Die tolle Zusammenarbeit ist eins der schönsten Dinge an diesem Ehrenamt“, sagt Heerd mit strahlenden Augen. Und die technische Herausforderung. Wenn es dann noch klappt, irgendetwas wieder zum Laufen zu bringen, und die Besucher glücklich und zufrieden nach Hause gehen, „kann ich mir nichts Schöneres vorstellen“.

Damit die Wartezeit für die monatlich circa 14 bis 24 Gäste nicht zu lang erscheint, gibt es jedes Mal hausgemachte Kuchen und Kaffee. Es ist ja keine Werkstatt, sondern ein „Repair Café“. Beim Verlassen darf dann jeder geben, was er möchte: Die Einrichtung funktioniert rein auf Spendenbasis. Und wenn ein bisschen was zusammengekommen ist, gehen die Tüftler gemeinsam schön zum Essen oder feiern ein kleines Fest. „Bereichern tun wir uns nicht“, stellt Völker klar. Sie alle machen das aus Begeisterung und dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit.

Bei Martina Kowatsch hat das geklappt: Ihre Mini-Kamera nimmt sie frisch repariert mit nach Hause, die Nähmaschine holt sie zu einem späteren Zeitpunkt bei Theo Völker ab. Denn dieser hat vor lauter Ratschen mit der Heimatzeitung nicht genügend Zeit gehabt, sich um den „Patienten“ zu kümmern.