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Freibad-Team beklagt schlimme Gäste-Unart: „Das, was am meisten an den Nerven zehrt“

„Einfach nur traurig“: Beleidigungen bringen Freibad-Team an seine Grenzen

Stand: 11.07.2026, 09:42 Uhr

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An heißen Tagen ist das Freibad in Seligenstadt besonders voll. Doch nicht nur der Andrang bringt das Personal an seine Grenzen.

Seligenstadt – Das Freibad ist ein Mikrokosmos der Gesellschaft. Fast nirgendwo sonst kommen so unterschiedliche Menschen auf so engem Raum zusammen. Je knapper der Platz im Schwimmbad, desto eher entstehen Konflikte, das zeigen auch wissenschaftliche Studien. Ein Beispiel ist der Fall des Freibads im hessischen Seligenstadt. Dort setzen nicht nur die Hitze und der Besucheransturm Mitarbeitende unter Druck. Auch persönliche Angriffe gegenüber dem Personal nehmen einem Bericht des lokalen Nachrichtenportals OF News zufolge stetig zu.

Das Freibad ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos, was auch zu Spannungen führen kann

Das Freibad ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos, was auch zu Spannungen führen kann (Symbolbild). © picture alliance/dpa | Matthias Bein

Der kommissarische Betriebsleiter des Freibads, Jörg Bussian, beschreibt die Situation gegenüber OF News so: „Die Beleidigungen und übelsten Beschimpfungen der Badegäste sind das, was am meisten an den Nerven zerrt und nur schwer zu ertragen ist. Das geht an niemandem spurlos vorbei“. Um die Spannungen zu deeskalieren, sind auch private Sicherheitskräfte im Einsatz.

Stadt und Freibadmitarbeiter rufen Einwohner zu mehr Besonnenheit auf

In den sozialen Medien bestätigen manche Nutzer diese Entwicklungen. „Für mich war der Freibadbesuch leider längst keine unbeschwerte Freude mehr, sondern eher mit Anspannung verbunden“, schreibt eine Nutzerin aus Seligenstadt. Andere zeigen sich fassungslos. „Einfach nur traurig, dass unsere Kinder mit solchen Verhältnissen aufwachsen müssen. Schwimmbad war früher ein unbeschwertes Vergnügen und heute ist es ein unkalkulierbares Risiko“, schreibt ein Nutzer auf Facebook.

Das Seligenstädter Freibad wandte sich nun mit einem Appell an die Öffentlichkeit. „Wir erleben viele schöne Tage im Freibad – aber auch Situationen, die vermeidbar wären. Wenn jeder ein bisschen mehr Rücksicht nimmt und sich an die Regeln hält, wird es für alle leichter. Ein respektvolles Miteinander ist die Grundlage dafür, dass unser Freibad für alle ein Ort der Erholung bleibt“, so die Mitteilung.

Indes hob die Stadt die Arbeit der Mitarbeiter hervor. „Unser Team zeigt eine außerordentliche Leistungsbereitschaft, um den Badegästen schöne und abkühlende Stunden in unserem Freibad zu ermöglichen“, hieß es etwa vom ersten Stadtrat Oliver Steidl. Die Angestellten verdienten „größten Respekt“, wie sie mit den „physischen und psychischen Anforderungen, die ein sehr gefülltes Bad mit sich bringt, umgehen“, so Steidl weiter.

Das Freibad als Mikrokosmos der Gesellschaft: Was Experten sagen

Seligenstadt ist kein Einzelfall. Das Freibad sei „eine Liegewiese fast aller Klassen. Weil sich dort ganz unterschiedliche soziale Gruppen treffen, auch unterschiedliche Generationen, und das ist im Grunde genommen eine der zentralen Kontaktzonen, gerade auch in den Dörfern und kleinen Gemeinden“, meint Wolfgang Kaschuba, Professor für Europäische Ethnologie, im Gespräch mit Deutschlandfunk.

Der Experte Ralf Großmann betont deshalb: „Wer ins Freibad kommt – egal welcher Herkunft, Religion oder Sprache – gehört dazu. Aber nur, wenn er sich auch dazu bekennt. Das heißt: 1. Regeln einhalten, 2. Rücksicht nehmen, 3. Respekt zeigen“, wie er im Focus schreibt. Anderswo gibt es aber auch positive Entwicklungen: Im hessischen Schwalmstadt zahlt ein anonymer Spender allen Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren den ganzen Sommer lang den Eintritt. (Quellen: ScienceDirect, Deutschlandfunk, Focus, OF News) (bme)