Drei Straßen betroffen Entsetzen über neue Baustelle in Zweibrücken: Bewohner monatelang von Außenwelt abgeschnitten?
Zweibrücken · Erst anderthalb Werktage vorher erreichte Anwohner der Pasteurstraße die Nachricht, dass ihre Straße wegen Generalsanierung tagsüber voll gesperrt werde und man nachts nur noch „auf eigene Gefahr“ vors Haus fahren dürfe – was auch die Versorgung zum Beispiel mit Wasserkisten erschwere.
20.07.2026
, 20:27 Uhr
Entgegen der Ankündigung vom Freitag war am Montag die Pasteurstraße noch nicht voll gesperrt. Im Gegenteil: Die Absperrbaken leiteten weiterhin den Verkehr von der voll gesperrten großen Steinhauser Straße in die Pasteurstraße um. Nun soll es am Donnerstag soweit sein.
Foto: Lutz Fröhlich
Das letzte Baustellenproblem in Zweibrücken war noch zum Schmunzeln: Die unfreiwillig-komische Umleitungsbeschilderung in der Hofenfelsstraße (wir berichteten). Das Lachen vergangen ist aber den Bewohnern der Pasteurstraße (und infolgedessen wohl auch der Ehrlich- und Dunantstraße): Sie wären nämlich froh, wenn sie überhaupt noch über eine Umleitung zu ihren Wohnungen kämen.
Knall auf Fall nämlich haben die für den Straßentiefbau zuständige Stadt-Tocher UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken) am vergangenen Freitag (Datum UBZ-Schreiben) und auf der Baustellen-Übersicht der Stadtverwaltungs-Homepage (ebenfalls Datum 17.7.) angekündigt: Die Pasteurstraße werde ab Montag, 20. Juli voll gesperrt. Und das bringt eine ganze Latte massiver Probleme mit sich.
Probleme, die man erst dann in ihrer ganzen Dimension erkennt, wenn man die teils nur in dem einen und teils nur in dem anderen Schreiben erwähnten Informationen zusammenträgt – und auf die Straßenkarte dieses Viertels schaut.
Infos zur Vollsperrung muss man sich mühsam zusammensuchen
Während der UBZ-Brief zum Ärger von Anwohnern keinerlei Angaben zur Dauer der Arbeiten macht, steht auf der Stadt-Homepage: Die Arbeiten dauern „bis voraussichtlich 04.12.2026“ – also viereinhalb Monate. Und zwar „unter Vollsperrung von der Einmündung Steinhauser Straße bis in den Kurvenbereich zur Röntgenstraße 78“ in den beiden Schreiben
Auch im UBZ-Brief wird die „Vollsperrung der Pasteurstraße“ angekündigt – und im Gegensatz zur Stadt-Homepage mit einer weiteren Hiobsbotschaft konkretisiert: „Eine Zufahrt zu den Häusern bzw. Grundstücken wird während der Arbeitszeiten von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr nicht möglich sein.“
Nur abends und nachts „auf eigene Gefahr“ befahrbar
Wer gehofft haben sollte, wenigstens danach noch zum Beispiel Großeinkäufe vor die Haustür fahren zu können, wird gleich im nächsten Satz informiert, dass dies risikobehaftet ist – anscheinend so risikobehaftet, dass die Baustellen-Verantwortlichen das Risiko nicht übernehmen wollen: „Außerhalb der Arbeitszeiten kann eine Zufahrt auf eigene Gefahr gewährleistet werden.“ Damit man die Warnung nicht überliest, ist „auf eigene Gefahr“ in grellem Rot gedruckt.
Auch Sackgassen Ehrlichstraße und Dunantstraße von Außenwelt weitgehend abgeschnitten
Dieser Brief sorgte aber nicht nur in der Pasteurstraße selbst für Aufregung und tiefe Sorgen. Denn: Von der Pasteurstraße zweigen zwei Sackgassen ab, die von Kraftfahrzeugen nur über die Pasteurstraße erreichbar sind: Ehrlichstraße und Dunantstraße. Diese sind also auch von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten, wenn die Pasteurstraße voll gesperrt ist.
Viele „Absolutes Halteverbot“-Schilder waren am Montag in der Pasteurstraße (hier das andere Ende, am linken Bildrand biegt es in die Römerstraße ab) zu sehen – gültig ab Dienstag. Die Pasteurstraße ist (wie die infolge der Vollsperrung mitbetroffene Ehrlichstraße und Dunanstraße) geprägt von älteren Mehrparteien-Wohnblocks.
Foto: Lutz Fröhlich
Der Bürger Michael Schindler hat deshalb am Sonntagabend einen „äußerst verärgerten“ Beschwerde-Brief an den UBZ geschrieben, der parallel auch an den Oberbürgermeister und die Presse ging. Schindler entschuldigt sich gleich zu Beginn für seine „teilweise sicherlich etwas harschen Worte“ – aber dieses „Debakel“ macht ihn fassungslos. „Bereits vorgestern fand ich zufällig ein ominöses, im Internet kursierendes Schreiben, das offenbar die Anwohner der Pasteurstraße darüber informieren sollte, das diese für Bauarbeiten VOLL gesperrt werden soll“, beginnt Schindler seine Sachverhaltsschilderung: „Nun, nachdem die Pasteurstraße bereits seit mindestens acht Jahren zumindest von Gebissträgern nur noch im Schritttempo befahrbar war, soll sie jetzt also endlich instand gesetzt werden ... so weit, so gut.“
„Wie ist Versorgung im Notfall sichergestellt?“
„Nur: meine 97-jährige Mutter, zu der nicht nur ich täglich, sondern vor allem auch drei- bis fünfmal täglich (je nach Wochentag) ein Pflegedienst kommt, wohnt in der angrenzenden Dunantstraße, genau wie die darüber liegende Ehrlichstraße eine Sackgasse, die AUSSCHLIEßLICH über die Pasteurstraße erreichbar ist. Die Anwohner wurden GESTERN darüber informiert, dass die Pasteurstraße tatsächlich ab MORGEN!!! voll gesperrt sein soll.“ Diese Planung kritisiert Schindler mit deftigen Worten, zumal in dem Schreiben auch keinerlei Information stehe, „wie die Versorgung im Notfall (Pflegedienst, Notarzt, Krankenwagen, Feuerwehr)“ sichergestellt sei.
Und eine frühere Information hätte zumindest „Reaktionszeit“ gegeben, damit Anwohner oder deren Helfer „gegebenenfalls noch Vorräte anlegen“ können. Schindler: „Soll ich mit 61 Jahren und vier Bandscheibenvorfällen die Einkäufe inkl. Wasserkisten für meine Mutter dann mehrere hundert Meter weit durch eine unbefestigte Baustelle TRAGEN? Oder hätte ich mir vielleicht in den großzügigen anderthalb Tagen Vorlauf noch schnell einen Geländewagen kaufen sollen, weil man großzügigerweise ja abends und nachts auf eigene Gefahr durch eine unbefestigte Baustelle fahren darf? Und wie machen das die diversen älteren Anwohner, die sich selbst helfen müssen?“
Dass die Pasteurstraße sanierungsbedürftig ist, ist unübersehbar uns und unstrittig. Die Art des Umgangs mit den Anwohnern aber stößt aber auf Fassungslosigkeit.
Foto: Lutz Fröhlich
Insbesondere in der Dunantstraße wohnten viele ältere Menschen, „die dann für geraume Zeit nicht mehr in der Lage sein werden, das Haus zu verlassen. Hat da irgendjemand mal einen Gedanken dran verschwendet? Und was ist mit den Pflegediensten? Wurden die informiert? Die Anwohner waren aufgrund des großzügigen Vorlaufs ja nicht dazu in der Lage!“
Bürger-Vorschlag für weniger Beeinträchtigungen
Schindler fragt zudem: „Warum macht man nicht erst eine, dann die andere Straßenseite, mit einer Ampelregelung? Das ist ja nun wirklich kein Hexenwerk und ein gefahrloser Zugang wäre zumindest eingeschränkt gewährleistet, ebenso wie zeitnahe Versorgung im Notfall. Anderthalb Tage vorher, noch dazu an einem Wochenende, die Anwohner zu informieren, sei „völlige Ignoranz von Bürgerbelangen“.
Schindler ergänzte am Montag in einem Mailaustausch mit dem Merkur: „Es geht mir NICHT darum Krawall zu schlagen oder Unfrieden zu stiften; ich sehe hier neben Nachlässigkeit und Ignoranz schwere Versäumnisse hinsichtlich Versorgung und Sicherheit insbesondere älterer Menschen. Die Zweibrücker Verkehrsplanung hat sich in der Vergangenheit schon des Öfteren nicht mit Ruhm bekleckert, und das nicht nur mit der Einhaltung von Zeiten. Dass jetzt die Anwohner gleich dreier Straßen bis zum allerletzten Moment über erhebliche (und meiner Ansicht nach unnötige/vermeidbare) Belastungen im Unklaren gelassen werden und ihnen jede mögliche Reaktionszeit darauf genommen wird, ist aber neu, ebenso dass sowohl medizinische als auch Sicherheitsaspekte zumindest dem Anschein nach in der Planung keinerlei Beachtung fanden.“
Stadt kündigt „kleinere Umplanungen“ an
Neben dem UBZ ist auch die Stadtverwaltung für Baustellen und deren Beschilderungen zuständig. Beiden hat der Pfälzische Merkur Montagfrüh anderthalb Dutzend Fragen gemailt – ähnliche wie Schindler, aber auch einige weitere, zum Beispiel wo die vielen Betroffenen nun ihre Autos parken sollen.
Die Zweibrücker Hauptamtsleiterin Alessa Buchmann (die derzeit nebenbei Stadtsprecher Jens John vertritt) gab am Nachmittag eine erste Antwort: „Es wird noch kleinere Umplanungen geben, um die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten.“ Man sei aber gemeinsam mit dem UBZ noch dabei, das zu koordinieren. Eine Antwort mit näheren Erläuterungen und Information der Anwohner sei für Dienstag geplant.
Vollsperrung tritt später als angekündigt in Kraft
Entgegen der Ankündigungen ist die Vollsperrung der Pasteurstraße am Montag noch nicht sofort in Kraft getreten. Buchmann sagte auf die Frage nach dem neuen Termin: „Am Donnerstag geht es los.“
Der Merkur-Reporter hatte zuvor am Mittag vor Ort zwar bereits Baustellen- und Halteverbotsschilder und ein erstes mutmaßliches Baustellenfahrzeug gesehen. Die Durchfahrt war aber noch in beiden Richtungen möglich, Arbeiter waren noch keine vor Ort. Das hat offenbar auch die Stadtbus-GmbH überrascht – hatte sie doch an der Bushaltestelle in der Pasteurstraße bereits einen Aushang angebracht, dass diese wegen Vollsperrung ab Montag nicht mehr anfahrbar sei. Dennoch fuhren weiter Busse durch die Pasteurstraße.
Auswirkungen auch auf Stadteinfahrt Steinhauser Straße
Was letztlich auch daran liegt, dass die Pasteurstraße derzeit noch Umleitung für die schon seit 1. Juni abschnittsweise voll gesperrte Stadteinfahrt Steinhauser Straße ist: Fährt man oben das erste Stück der Steinhauser Straße bergab, ist derzeit ab der Einmündung Pasteurstraße die Steinhauser Straße voll gesperrt – und man wird in die Pasteurstraße umgeleitet. Der Merkur hat deshalb natürlich auch angefragt, wie ab Donnerstag der innerörtliche Verkehr von der Steinhauser Straße umgeleitet wird, wenn die Pasteurstraße dann tatsächlich voll gesperrt ist. Ohnehin gilt wie bisher: Großräumig kann man die Baustelle(n) über die Autobahn 8 umfahren.
Bürger berichtet von Infos-Schreiben Nummer 3
Am Montagnachmittag meldete sich dann noch ein weiterer entsetzter Bürger beim Merkur: „Wütende Empörung macht sich breit bei den Anwohnern“ der Pasteurstraße und Umgebung, schreibt Thomas Skrzyniecki, der selbst in der Dunantstraße wohnt. Wie Schindler kritisiert auch er den dürren UBZ-Brief vom Freitag über die Sperrung der Pasteurstraße. Der sei zwar auch in der Dunant- und Ehrlichstraße zugestellt worden – enthalte aber nicht mal ansatzweise Angaben über die Dauer der Sperrung. Darüber erfuhr Skrzyniecki erst am Montag, diesmal in einem Einwurf-Schreiben der Völklinger Baufirma Saarphalt: Darin sei von Vollsperrung in der Zeit vom 22. Juli bis voraussichtlich 4. Dezember die Rede. Allerdings stiftete dieser Brief neue Verwirrung: War im UBZ-Brief noch die Rede davon, man könne von 18 bis 6 Uhr die Pasteurstraße auf eigene Gefahr befahren, schreibe die Baufirma nun: „Eine Durchfahrt durch die Baustelle mit Fahrzeugen ist nicht möglich.“ Also zu gar keiner Uhrzeit.
Wobei für Skrzyniecki schon ein Unding ist, selbst Anwohnern die Durchfahrt nur von 18 bis 6 Uhr zu gestatten. Denn: „Keine Baufirma arbeitet durchgehend zwölf Stunden lang.“ Skrzyniecki fragt: „Wie sollen die Betroffenen während dieser Zeit zur Arbeit kommen, Pflegekräfte die Betroffenen erreichen, wie sollen Einkäufe erledigt werden und wie sollen die Kinder zur Schule kommen?“
„Beängstigender Eindruck“
„So kann man mit dem Bürger nicht umgehen“, kritisiert Skrzyniecki den dürren Informationsgehalt des UBZ-Briefs: „Durch das Schreiben wird der beängstigende Eindruck vermittelt, dass die Anwohner der Pasteurstraße in Zweibrücken für völlig unbestimmte Zeit eingekesselt und abgeschnitten werden von ihrer Umwelt durch eine längerfristige Baumaßnahme.“
Am Spätnachmittag informierte Skrzyniecki in einem Telefonat mit dem Merkur über einen Hoffnungsschimmer zumindest für die Bewohner der Dunant- und Ehrlichstraße: Nach seiner Beschwerde habe ein freundlicher UBZ-Mitarbeiter von Besprechungen am Montag berichtet und angedeutet, womöglich könnten die Arbeiten in der Pasteurstraße in Bauabschnitte aufgeteilt werden, sodass die beiden Sackgassen von der Pasteurstraße aus trotz Baustelle erreichbar bleiben.
Das Informations-Wirrwar kritisierte am Abend Helga Heiner in einer E-Mail an den Merkur: „Was müssen wir noch alles hören und wieder nicht hören und wieder was Neues gesagt bekommen und wieder eine Änderung usw.“
Welche Arbeiten stehen bevor in der Pasteurstraße? Auf der Stadt-Homepage steht dazu lediglich „Erneuerung“. Mehr verrät der UBZ-Brief: „Die Pasteurstraße wird ausgebaut.“ („Ausgebaut“ ist der Fachbegriff für eine Generalsanierung, also Kompletterneuerung im Gegensatz zu den in den vergangenen Jahrzehnten durch den Flickenteppich sichtbaren Ausbesserungsarbeiten.) Der UBZ erläutert: „Im Zuge diese Bauarbeiten wird die Straße inkl. Gehwegen neu hergestellt.“ (Das heißt: Der alte Asphalt muss komplett abgerissen und durch einen neuen Belag ersetzt werden.) Zudem werden „Kabel- und Beleuchtungsarbeiten der Stadtwerke mit den nötigen Randarbeiten ausgeführt“.