Bis zur 115. Minute mussten Fans der argentinischen Nationalmannschaft am vergangenen Sonntag auf den ersten Abschluss ihres Teams im WM-Finale warten. Die nach den Halbfinals beste Offensive des Turniers, angeführt vom eigentlich so überragenden Lionel Messi, hatte es zuvor nicht einmal geschafft, in eine Position zu kommen, aus der sich ein Schuss gelohnt hätte. Und das ist kein Zufall.
Spanien war einfach viel besser als Argentinien – und viel besser als alle anderen Mannschaften in diesem Wettbewerb. Spanien ist Weltmeister. Und das ist hochverdient.
Der Fußball hat gewonnen
Der Start war noch etwas holprig. Gegen Kap Verde sprang im Auftaktspiel nur ein 0:0 heraus. Und ja, sie waren vielleicht etwas langweilig, die Spieler der Iberer. Chancen oder gar Tore waren oft Mangelware. Doch wer das Finale gesehen hat, sah ein perfektes Beispiel dafür, wie sehr eine Mannschaft dominieren kann, ohne selbst zu treffen. Toni Kroos unterstrich dies mit einem Post auf X (ehemals Twitter), in dem er schrieb: „Der Fußball hat gewonnen.“
Argentinien war dabei nicht die erste Mannschaft, die unter den Spaniern gelitten hat. Die Elf von Trainer Luis de la Fuente hat im gesamten Turnierverlauf nur ein einziges Gegentor kassiert. Nie kassierte ein Weltmeister weniger Gegentore während des Turniers.
Weder Messi und Argentinien noch Kylian Mbappé und Frankreich oder Cristiano Ronaldo und Portugal konnten die spanische Defensive überwinden. Und fallen Ihnen aus diesen Spielen überhaupt noch große Chancen der jeweiligen Gegner von Spanien ein?
Wie Spanien dominiert
Dabei spielt der Weltmeister doch keinen defensiven Fußball per se, steht nicht tief in der eigenen Hälfte und zerstört gegnerische Angriffe. Vielmehr hält Spanien den Ball in den eigenen Reihen.
Das gelingt „la Roja“ zum einen besser als anderen Teams, weil jeder Spieler auch auf dem höchsten Level ein überdurchschnittliches technisches Niveau besitzt. Das heißt: Kaum ein Ball verspringt, kaum ein Pass kommt nicht an. Zum anderen wägen die Spieler jedes Risiko genau ab und wählen oft lieber einen weiteren Pass als einen wenig aussichtsreichen Abschluss. Das ist zwar wenig unterhaltsam für die Zuschauer, hält die Gegner aber von Kontern ab.
Der Spanier Rodri spielte die mit Abstand meisten Pässe im Turnier (802).
© Frank Franklin II/AP/dpa
Und wenn der Ball trotzdem beim Gegner liegt, dann erstickt das perfekt einstudierte Pressing der Spanier fast jeden Angriff schon im Keim. So sah es im Finale lange aus, als käme Argentinien überhaupt nicht aus der eigenen Hälfte heraus. Und wenn doch, dann hatten die spanischen Spieler so schnell umgeschaltet, dass sie in der eigenen Hälfte bereits formiert auf den Gegner warten konnten.
Argentinien bekam so wenig Raum, dass Messi überhaupt nicht ins Spiel kam, weil die Spanier die Passwege zum Star der Argentinier konsequent zustellten. Und wenn er doch an den Ball kam, gingen ihn sofort zwei Spanier zur selben Zeit an und ließen ihm keinen Raum zum Atmen. So blieb ein Spieler, der zuvor acht Tore geschossen und vier Vorlagen gegeben hatte, im WM-Finale blass.
De la Fuente ist der Schlüssel
Die Disziplin, die notwendig ist, um so zu spielen, gepaart mit dem Verständnis jedes Spielers für seine Rolle im System, ist für eine Nationalmannschaft ungewöhnlich. Doch seit Luis de la Fuente vor dreieinhalb Jahren das Amt als Nationaltrainer Spaniens übernommen hat, hat er eine Idee entwickelt, der er seither treu geblieben ist.
WM 2026
Torres knackt Argentinien spät: Spanien ist Fußball-Weltmeister
Es ist eine Idee, die jedem Gegner und so manchem Fan den Spaß am Fußball raubt. Es ist jedoch auch eine Idee, die die Stärken der Spieler hervorhebt und dank der Spanien nach der Europameisterschaft 2024 nun auch den zweiten WM-Titel der Verbandsgeschichte gewonnen hat. Und das absolut zu Recht. Denn dieses spanische Team ist die beste Nationalmannschaft der Welt.
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