Publiziert26. Juli 2026, 12:12
CSD Deutschland«Der Angriff schockiert uns – überrascht uns aber nicht»
Nach dem Angriff auf den Christopher Street Day (CSD) sitzt die Erschütterung noch tief. Das sagen CSD Deutschland und die Zurich Pride zum Vorfall.

Darum gehts
- Beim Christopher Street Day in Berlin raste ein Auto in eine Menschenmenge – eine Frau starb, 17 weitere Personen wurden verletzt.
- Der mutmassliche Täter wird der islamistischen Szene zugerechnet. Pride-Organisationen in Deutschland und der Schweiz sind tief erschüttert.
- Die Zurich Pride überprüft ihr Sicherheitskonzept. CSD Deutschland warnt vor einer zunehmenden Bedrohung queerer Menschen.
Hunderttausende Menschen feierten am Samstag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin für Vielfalt und Toleranz, als der Anlass kurz vor 22 Uhr abrupt endete. Ein Auto raste nahe dem Tiergarten in eine Menschenmenge, eine Frau kam ums Leben, 17 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere davon schwer bis lebensgefährlich. Die Polizei hat einen mutmasslichen Täter identifiziert, der der islamistischen Szene zugerechnet wird.
Gegenüber 20 Minuten zeigen sich Pride-Organisationen aus Deutschland und der Schweiz tief erschüttert. Sie sehen im Angriff keinen Einzelfall, sondern warnen vor einer zunehmenden Bedrohung der queeren Community.
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CSD Deutschland: «Zeichen einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung»
Der Dachverband CSD Deutschland reagiert mit deutlichen Worten auf den Angriff. «Der Angriff schockiert uns zutiefst. Doch er überrascht uns nicht», schreibt Kai Bölle, Mitglied des CSD-Vorstandes, gegenüber 20 Minuten.
Seit Jahren nehme die Zahl der Angriffe auf queere Menschen zu – sowohl im Internet als auch im Alltag. Der Verband erinnert an frühere Vorfälle bei CSD-Veranstaltungen.
«Der Angriff schockiert uns zutiefst. Doch er überrascht uns nicht.»
Kai Bölle, Mitglied des Vorstands CSD DeutschlandBölle sieht den Angriff als «Zeichen einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die über die queere Community hinausreicht». Zunehmender Gewalt seien auch Jüdinnen und Juden sowie Menschen mit Migrationsgeschichte ausgesetzt.
Seine Botschaft: «Wir dürfen Angst haben, doch wir müssen weiterkämpfen. Gerade jetzt dürfen wir uns weder spalten noch in die Unsichtbarkeit zurückdrängen lassen.»
Zurich Pride: «Community ist leider angreifbar»
Auch die Zurich Pride reagiert bestürzt. «Unsere Gedanken und unsere Solidarität sind beim CSD Berlin und bei allen Betroffenen», sagt Geschäftsstellenleiterin Julia Müller.
Sie beobachtet seit Jahren mehr Hassverbrechen gegen queere Menschen. «Seit 2024 ist die LGBTQ-Gemeinschaft von Fedpol offiziell als Minderheit mit besonderen Schutzbedürfnissen eingestuft worden. Das zeigt auch, dass die Community leider angreifbar ist», sagt Müller.
Gleichzeitig ruft auch sie zum Zusammenhalt auf: «Wir sind eine Community und halten vor allem auch in schweren Zeiten zusammen. Genau solche Vorfälle zeigen, dass es die Prides und CSDs auf der ganzen Welt immer noch dringend braucht.»
Sicherheitskonzepte werden laufend überprüft
Die Zurich Pride erstellt jedes Jahr gemeinsam mit der Stadtpolizei Zürich ein neues Sicherheitskonzept und arbeitet zusätzlich mit einer privaten Sicherheitsfirma zusammen. Je nach Bedrohungslage könnten Massnahmen wie Terrorsperren oder Personenkontrollen kurzfristig ausgebaut werden.
Nach dem Angriff in Berlin werde der Vorfall intern analysiert. «Wir werden alles tun, was nötig ist, um unsere Besucherinnen und Besucher in den kommenden Jahren zu schützen», sagt Julia Müller.
Auch CSD Deutschland verweist auf die in den vergangenen Jahren verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Gleichzeitig gebe es bei Veranstaltungen mit Hunderttausenden Menschen keine absolute Sicherheit. «Einzelne Gewalttäter können immer Möglichkeiten finden», sagt Kai Bölle.
LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?
Hier findest du Hilfe:
InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen
Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Lifestyle
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