Foto: avigatorphotographer - Freepik.comNach dem Höchststand der laufenden Saison kühlen sich die Frachtraten in der Container-Schifffahrt ab. Indizes wie der WCI und der SCFI verzeichnen erste spürbare Rückgänge.
Container-Schifffahrt: Frachtraten sinken nach Rekordhoch
Der steile Anstieg auf dem globalen Transportmarkt kommt vorerst zum Stillstand: Nach dem Höchststand vor drei Wochen kühlen sich die Preise in der Containerschifffahrt wieder ab und setzen zu einer spürbaren Korrektur an. Der World Container Index (WCI) verlor in diesem Zeitraum vier Prozent und fiel auf 4.374 US-Dollar pro 40-Fuß-Container (FEU). Diese Abwärtsbewegung zieht sich durch die gesamte Logistikbranche, denn auch der Shanghai Containerized Freight Index verzeichnete ein Minus von 1,8 Prozent, während die Raten für Luftfracht und den Inter-Asia-Verkehr ebenso nachgaben.

Neue Zölle bremsen Nachfrage
Wie erwartet, haben die befürchteten neuen Zölle und das Auslaufen der De-Minimis-Regelungen der EU und USA zu einem Rückgang der Nachfrage geführt. Die Carrier registrieren seit Mitte Juli einen deutlichen Buchungsrückgang auf den Hauptrouten. Die Daten des chinesischen Verkehrsministeriums (MOT) bestätigen dies von der Angebotsseite: Der Containerdurchsatz chinesischer Häfen sank in der Woche zum 5. Juli auf 6,83 Millionen TEU (minus 5,31 Prozent gegenüber der Vorwoche) und fiel bis zur Woche zum 19. Juli weiter auf 5,99 Millionen TEU.
Dagegen verzeichnen die US-amerikanischen Häfen einen Rekord-Monat. Die National Retail Federation prognostiziert ein Importvolumen von 2,47 Millionen TEU an US-amerikanischen Häfen und damit den höchsten Monatswert in der Geschichte der US-Containerschifffahrt. Der bisherige Rekord von 2,4 Millionen TEU stammt aus dem Mai 2022. Während die Westküstenhäfen Los Angeles und Long Beach zwar eine hohe Auslastung, aber kaum Wartezeiten vermelden, brachten an den Ostküsten selbst zusätzlich eingesetzte Entlastungsschiffe (sogenannte Extra-Loader), die Container aus den überlasteten Häfen abtransportierten, kaum Entspannung. Die Frachtraten auf den US-Routen gingen auf den Routen an die Ostküste entsprechend geringer zurück als zur Westküste.
Das Auslaufen der De-Minimis-Regelungen für Frachtsendungen mit geringem Wert hat vor allem die Flugfrachtbranche mit Ziel Amerika mit zweistelligen prozentualen Preisrückgängen getroffen. Hier spielt auch die Fifa-Weltmeisterschaft eine Rolle, deren Finale auch das Ende der Nachfrage nach Fanartikeln bedeutet. Die Preise für Luftsendungen nach Europa gaben nur leicht zurück. In China verzeichnete das Verkehrsministerium einen Rückgang der internationalen Frachtflüge von 3.378 (letzte Juni-Woche) auf 3.199.
Der Einbruch bei den Buchungen für Frachtsendungen hat aber nicht nur zu sinkenden Spot-Frachtraten geführt, sondern auch zur Zurücknahme der Peak Season Surcharges (PSS) und der Generellen Erhöhung der Frachtraten (GRI). Unter anderem Maersk und Hapag-Lloyd boten nach dem 15. Juli, dem Zeitpunkt, ab dem die PSS und GRI zählen sollten, aktiv Raten unterhalb ihrer offiziellen Zielvorgaben an, um Auslastung zu sichern. Zudem strichen die Reeder doppelt so viele Abfahrten von Containerschiffen Richtung Europa wie in der Vorwoche. Die Reduzierung von Kapazität soll für eine Stabilisierung der Frachtraten sorgen.
Taifune und Nachfragerückgang belasten asiatischen Schiffsverkehr
Auf den interasiatischen Routen trägt nicht nur die schwächere Nachfrage zu nachgebenden Frachtraten bei, sondern auch die Taifun-Saison behindert den Schiffsverkehr. Während die Branche noch mit den Nachwirkungen des Taifuns „Bavi“ beschäftigt ist, sorgt nun Noul für weitere Einschränkungen. Diese Taifune treffen vor allem die Häfen des Pearl-River-Deltas und die der ostasiatischen Destinationen für die Produzenten von Vor- und Rohprodukten.

Begrenzt ist bislang der Einfluss des neu auflammenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Eventuell steigende Bunkerkosten werden durch den Bunker Adjustment Factor (BAF) abgefedert. Da der Großteil der Containerschiffe schon seit Ende 2023 den Suez-Kanal meidet, haben die Ankündigungen der Houthis, wieder Schiffe mit Ziel Saudi-Arabien anzugreifen, keinen Einfluss auf die Frachtschifffahrt. Allerdings spielen die Versenkung der „Luni“ und die Attacke auf die „GFS Galaxy“ bei der Beurteilung der Sicherheitslage in der Straße von Hormuz eine Rolle.
Neue US-Zölle erzwingen Ausweichrouten
Mit seiner Ankündigung, die Zölle wegen angeblicher Zwangsarbeit in den globalen Lieferketten auf 10 bzw. 12,5 Prozent zu erheben, trifft Präsident Donald Trump die Hauptakteure, von denen die USA ihre Konsumgüter beziehen. Für China gilt der höhere Satz zusätzlich zu den bisherigen Zöllen und treibt die Abgaben auf 20 bis 37,5 Prozent. Da von dieser Regelung die Nachbarstaaten Kanada und Mexiko ausgenommen sind, dürfte das Nearshoring und Transshipping über diese Kanäle zunehmen.
Zwei Kleinunternehmen haben gegen diese neuen Zölle bereits Klage eingereicht. Zwar hat die Sektion 301 jahrzehntelange Klagen überstanden, aber die bisherige Anwendung wurde von juristisch versierten Regierungen angeordnet. Die neuen Zölle sind offensichtlich ein Handelsinstrument, das unter dem Deckmantel der Menschenrechtspolitik eingeführt wird. Sollte sich der Supreme Court dieser Sichtweise anschließen, dürften diese Abgaben ebenfalls einkassiert werden.
Die weltweiten Frachtraten dienen als Indikator für die Warenströme. Sie lassen vermuten, dass der Höhepunkt des Weihnachtsgeschäfts überschritten ist, der normalerweise zwischen August und Oktober erreicht wird. Die August-Zahlen des chinesischen Zolls werden darüber erste Erkenntnisse liefern. Das Auslaufen der De-Minimis-Regelungen in den USA und Europa hat zu einer gewissen Sonderkonjunktur geführt, die nun nachlässt. Die ersten Daten von Alibaba, Shein und anderen Drop-Shipping-Unternehmen zeigen, dass diese nun Umgehungsstrategien einführen. Neben Lagern in Europa wird weniger per Flugzeug transportiert, sondern traditionell per Schiff, was sich wiederum auf die Frachtraten auswirkt.
Trotz des Rekord-Julis lagen die US-Einfuhren im bisherigen Jahresverlauf auf einem mit dem Vorjahr vergleichbaren Niveau. Es scheint, dass Trumps Zollpolitik zwar zu jeder Menge Chaos und höheren Kosten, aber nicht zu einer Verlagerung der Produktion von Konsumgütern in die USA geführt hat.

Über den RedakteurDói Ennoson
China-Experte
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende
Einblicke in das Reich der Mitte.
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