
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Foto: Michael Kappeler/dpa
Friedrich Merz erlebt gerade eine der ältesten Weisheiten des Politbetriebs am eigenen Leib. Eine Weisheit, die nur so lange wie eine Binse klingt, bis man sie selbst erlebt: Die größten Herausforderungen stehen weder in Terminkalendern noch in Koalitionsverträgen. Oder wie der britische Premier Harold Macmillan einmal auf die Frage geantwortet haben soll, was seinen Beruf so kompliziert mache: „Events, dear boy, events.“
Nun, die Ereignisse rücken auch dem deutschen Bundeskanzler gerade so richtig unangenehm auf die Pelle.

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Merz kocht auch nur mit Wasser
Das wäre für sich genommen noch kein Drama, hätte Merz nicht zum Amtsantritt seriöses Regieren nach den Szenen-einer-Ehe-Jahren der Ampel versprochen und seinem Amtsvorgänger entgegengeschleudert, er könne es nicht, sei nur ein Klempner der Macht. Tja, Merz kostet jetzt die zweitälteste Weisheit in Demokratien aus: Die nächste Regierung kocht ebenfalls nur mit Wasser und manchmal ist es nicht mal siedend heiß.
Und damit zu seinem Sommerpausenproblem. Bereits im ersten Merz-Sommer 2025 machte die komplett aus dem Ruder gelaufene (und am Ende abgesagte) Wahl einer Verfassungsrichterin den Hauch von Neuanfang zunichte, den Schwarz-Rot just zu erzeugen versucht hatte. Schon damals hatte ein gewisser Jens Spahn großen Anteil an der Malaise.
2026 bescherte derselbe Spahn mit seiner Vaterschaft Merz die Möglichkeit, seine Mannschaft umzubilden. So weit, so interessant: Es ist schließlich mittlerweile mehrfach aktenkundig, dass die beiden keine Freunde waren und auch nicht mehr werden. Spahns seltsame Abwesenheit von Antizipationsfähigkeit, was die Leihschwangerschaft in der eigenen Partei auslösen würde, schenkte Merz die unverhoffte Option, sein Team neu aufzustellen.
Etwas mehr als eine Woche läuft diese Operation. Und noch immer ist nicht klar, wie viele Kunstfehler der Chefarzt Merz dabei noch machen wird. Auch wenn er nach neuer Fraktionsspitze, neuer Kanzleramtschefin, neuem Gesundheitsminister und neuer CDU-Generalsekretärin endlich auch einen neuen Verkehrsminister vorstellen wird, nach dem der scheidende, Patrick Schnieder, sich einen Rest von Würde zu erhalten versuchte. Von bleibenden Schäden ist jedenfalls auszugehen. Gerade bei Merz selbst.

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Falls sich noch jemand daran erinnert: Es ist keine drei Wochen her, da durfte man den Eindruck gewinnen, diese Regierung fange sich. Fange sich wirklich. Die Milliarden-Spar-Beschlüsse bei den Krankenkassen hat es so seit Jahrzehnten nicht gegeben. Die Rentenreformen sind vielversprechend und absolut überfällig. Es tut sich was bei der Deregulierung des Kündigungsschutzes und selbst beim Bürokratieabbau.
Aber Geschichte wiederholt sich, und sie wiederholt sich als absurdes Trauerspiel. Friedrich Merz verabschiedet das Land zum wiederholten Mal eben nicht mit einer Botschaft des „Wir regeln das“ in die Ferienzeit. Sondern von „Wir vergeigen es“. Die AfD freut sich derweil auf zwei Landtagswahlen im September.
Schönen Urlaub allerseits.