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Bebauungsplan an der Würm: Gemeinderat ringt um Baurecht für Anrainer

Stand: 24.07.2026, 18:50 Uhr

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Häuser an der Würm in Planegg. Blick von der Brücke an der Tandlerschlucht. Foto: Dagmar Rutt 24.07.26

Blick von der Brücke zwischen Bräuhausstraße und Tandlerschlucht Richtung Süden: Die Gebäude am Würmufer genießen laut gültigem Bebauungsplan von 1975, dessen Zweck die Schaffung einer Parkanlage ist, lediglich Bestandsschutz. © Dagmar Rutt

Drei Jahre und drei Wochen ist es her, dass der Planegger Gemeinderat eine Entscheidung zum Bebauungsplan Nr. 16 beidseits der Würm fällte. Umgesetzt wurde sie nicht. Nun geht es erneut um die Frage, ob Würm-Anrainer an Pasinger und Bräuhausstraße im Maß des Bestandes Baurecht erhalten.

Planegg – 20 Zuhörer saßen am Donnerstagabend im Sitzungssaal des Planegger Rathauses, als der Sachstand zum Bebauungsplan Nr. 16 für Teilbereiche an der Würm vorgetragen wurde. Größtenteils waren es die Betroffenen, die zwischen Germeringer und Bahnhofstraße am Würmufer in Häusern mit Bestandsschutz wohnen. Das bedeutet, dass eine Renovierung möglich ist, das Haus aber nicht aufgestockt oder im Falle eines Brandes wieder aufgebaut werden darf. Der aktuell gültige Bebauungsplan Nr. 16 aus dem Jahr 1975 hat für 2,15 Hektar des insgesamt 2,88 Hektar großen Gebiets – ausgenommen sind die Gaststätten Pe. Es. Kottmeier im Norden und Bräustüberl im Süden – eine öffentliche Grünfläche mit dem Nutzungszweck „Parkanlage“ festgesetzt: „Sinn und Zweck ist es, im Uferbereich der Würm eine die Ortschaft von Süden nach Norden durchziehende Grünanlage als Naherholungsfläche für die Allgemeinheit zu schaffen“, heißt es darin.

„In einer öffentlichen Grünfläche gibt es nicht das Recht, etwas wieder aufzubauen“, sagte Architekt Ferdinand Feirer-Kornprobst. Er hatte die Planungsoptionen erarbeitet, auf deren Grundlage der Gemeinderat 2023 den Beschluss fasste, Würmanrainern ohne eine weitere Versiegelung der Fläche Baurecht außerhalb des Überschwemmungsgebietes einzuräumen. Am Donnerstag stellte er sie dem Gremium, das seit der Kommunalwahl im vergangenen März neue Mitglieder hat, ein weiteres Mal vor. Diese waren: die Umsetzung des bestehenden Bebauungsplans, Baurecht entlang der Pasinger Straße sowie Baurecht sowohl entlang der Pasinger als auch der Bräuhausstraße, kombiniert mit verschiedenen Wegekonzepten.

Durch die Festlegung als Grünfläche ist die Gemeinde verpflichtet, ihr Vorkaufsrecht auszuüben. Daran hielt sie sich jedoch nicht immer in der Vergangenheit. Damit erhöhte sich die Gefahr, dass der Bebauungsplan rechtlich angreifbar ist. Nun wird an der Pasinger Straße erneut ein Grundstück angeboten. „Die ganze Verkaufssituation im Hintergrund ist ein Grund, etwas zügiger zu arbeiten“, sagte Bürgermeister Felix Kempf im Merkur-Gespräch.

Kempf hofft auf breiten Konsens

2023 sei eine Richtungsentscheidung getroffen worden, die „nicht weitergeführt wurde“, so Kempf. Grund dafür, dass die Arbeiten am Bebauungsplan Nr. 16 eingestellt worden waren, seien fehlende Kapazitäten im Bauamt gewesen. Inzwischen habe sich die Situation geändert. Um Grundsatzdiskussionen im Bebauungsplanverfahren zu vermeiden, solle im großen Gremium abgewogen werden. „Unsere Hoffnung ist immer ein ziemlich breiter Konsens.“ Der zeichnete sich in der Diskussion am Donnerstag nicht ab.

Die Grünen hatten 2020 das Ganze ins Rollen gebracht, indem sie eine Überarbeitung des Bebauungsplans Nr. 16 forderten. „Der Antrag von damals hat auf Rechtssicherheit abgezielt“, sagte Bastian Stibbe. „Ich hoffe, es haben alle verstanden, dass keine zusätzlichen Gebäude entstehen sollen.“ Er erklärte: „Einfach alles so zu lassen, wie es jetzt ist, ist mit Sicherheit eine schlechte Option.“ Unterstützung bekam er von Florian Großelfinger (CSU): „Wir finden den aktuellen Status ziemlich unerträglich. Der Bebauungsplan wird vor keinem Gericht der Welt Bestand haben.“ Beide Fraktionen hatten 2023 für die Umwandlung von 0,5 Hektar, die bereits bebaut sind, in neue Baufläche gestimmt.

Dagegen waren PPM, Gruppe 21/Volt, Cornelia David (ehemals FWD, inzwischen PPM) und die SPD gewesen. „Was unsere Vorgänger sich vor 51 Jahren gedacht haben, hat heute noch mehr Gewicht, wenn wir uns die Klimaverschiebung anschauen“, sagte Peter von Schall-Riaucour (PPM). Angelika Lawo (Gruppe 21/Volt) nannte den Bebauungsplan aus den 1970er Jahren „visionär“: „Die Idee der Erholungsflächen sollten wir würdigen als hehres Anliegen. Wir haben viel zu wenig darauf geschaut, wie wir mit dem Schatz umgehen, den wir haben.“ Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahrzehnten durchaus Flächen erworben und etwa die Tandlerschlucht als Erholungsgebiet geschaffen.

Korbinian Rüger, neu für die SPD im Gemeinderat, deutete ein Umdenken in seiner Fraktion an: „Wir sollten nicht den Eindruck entstehen lassen, dass wir auf den 200 Metern etwas gegen den Klimawandel tun können.“ Bei Aufstellung des Bebauungsplans vor mehr als 50 Jahren sei nicht abzusehen gewesen, welche Preisentwicklung Grundstücke machen würden. „Die Frage ist, ob wir uns leisten können, im Großraum München Wohnraum zu vernichten.“

Die Fraktionen setzen sich jetzt intern mit dem Thema auseinander, bevor es im Herbst erneut auf die Tagesordnung kommt.