Auma Obama
"Irgendwann wird Europa einen Schock bekommen"
Aktualisiert am 20.07.2026 - 06:11 UhrLesedauer: 11 Min.
Barack Obamas Schwester Auma meldet sich zu Wort. Im Interview spricht sie über Trump, ein gespaltenes Amerika – und warum ihr Bruder sie nicht einfach besuchen kann.
Barack Obama ist weltberühmt: Acht Jahre lang regierte er die Vereinigten Staaten und galt in dieser Zeit als einer der mächtigsten Männer der Welt. Seine ältere Halbschwester Auma Obama ist dagegen ihren eigenen Weg gegangen – weit entfernt vom politischen Betrieb in Washington. Sie hat in Deutschland studiert, lebt mittlerweile wieder in Kenia und leitet dort eine Stiftung für Kinder und Jugendliche.
Politik und Familie lassen sich für sie dennoch nicht immer voneinander trennen. Erst vor Kurzem war Obama in Chicago, um gemeinsam mit ihrem Bruder und dessen Familie die Eröffnung der Barack Obama Presidential Library zu feiern. Die Reise führte sie zugleich in ein Land zurück, das sich seit der Präsidentschaft ihres Bruders stark verändert hat: politisch tief gespalten, wirtschaftlich unter Druck und stark geprägt von Donald Trump und seinen MAGA-Anhängern.
t-online trifft sie in einem Berliner Hotel zum Interview. Auma Obama spricht über die Stimmung in den USA, das politische Vermächtnis ihres Bruders und die Verantwortung der amerikanischen Medien. Sie erklärt, warum ihr auch die Entwicklung in Deutschland Sorgen bereitet, weshalb Europa seinen Blick auf Afrika grundlegend ändern müsse – und warum sie ihre prominente Familie niemals für Werbung einsetzen würde.
t-online: Frau Obama, wenn Sie heute auf die USA blicken: Was ist aus dem Versprechen geworden, das mit Barack Obama verbunden war – diesem gesellschaftlichen Aufbruch, dieser Hoffnung?
Auma Obama: Was ich sagen kann, ist: Mein Bruder hat sein Bestes getan. Und eines hat er immer gesagt: "Ich kann das nicht alleine machen. Wir müssen es zusammen machen." Letztlich müssen die amerikanischen Bürger entscheiden, was für ein Land sie wollen. Und die Entscheidung war dann für das, was jetzt da ist. Ob das richtig war oder nicht.
Das Land ist heute radikal geteilt. Donald Trump ist ein Gegenentwurf zu Ihrem Bruder. Glauben Sie, die Amerikaner wollten diesen Bruch?
Ich glaube nicht, dass die Amerikaner wussten, dass es so radikal sein würde.
Nein?
Manchmal überschätzt man die Wähler. Sie sind häufig nicht gut genug informiert. Und die US-Presse trägt daran eine Verantwortung. Die amerikanischen Medien verschließen den Menschen manchmal die Augen vor Tatsachen. Aber die Menschen hören auf die Medien. Wenn man Republikaner ist, schaut man bestimmtes Fernsehen, Fox News etwa. Wenn man Demokrat ist, ein anderes. Das ist das Problem. Es gibt keine Diversität, kein Durcheinander. Diese Polarisierung ist so gefährlich und so präsent in den USA. Loyalität entsteht dann aus Emotionen statt aus Vernunft.

Mein Bruder hat sein Bestes getan.
Auma über barack obama
Was ist Ihre Prognose für die USA?
Wie viel bekomme ich dafür, dass ich eine Prognose abgebe? Experten zerbrechen sich darüber den Kopf. Eine Prognose abzugeben, wäre anmaßend, weil ich damit behaupten würde, ich könnte das beurteilen.
Macht Ihnen die Entwicklung in den USA denn Sorge?
Mir ganz persönlich nicht, ich lebe nicht in Amerika. Aber mir macht es als Weltbürgerin Sorge. Wir haben Kriege, die wir nicht haben sollten. Viele Menschen leiden, sehr viele. Und am Ende werden wir alle leiden. Letztlich geht es uns alle etwas an. Deshalb müssen wir uns alle Sorgen machen. In diesem Zusammenhang macht es mir Sorge. Ich möchte, dass es anders ist.
Erst vor Kurzem waren Sie in den USA, bei der Eröffnung der Barack Obama Presidential Library. Wie ist die Stimmung dort derzeit?
Die Stimmung ist gemischt. Wir haben natürlich die schönere Seite erleben dürfen. Durch die Festlichkeit bei meiner Familie und die Menschen dort waren alle wieder voller Freude, voller Hoffnung, voller Zusammenhalt. Die Eröffnung der Library war zutiefst emotional. Nicht nur, weil es mein kleiner Bruder ist und ich bin so stolz auf ihn, dass er das geschafft hat, nach so langer Zeit seine Bibliothek mit diesem unglaublichen Museum zu eröffnen. Ich war sehr beeindruckt. Was auch sehr toll war, dass er, wie Michelle, in seiner Rede wirklich den Amerikaner angesprochen hat. Die beiden haben daran erinnert, was die Werte sind, die dieses Land darstellt. Die Welt ist so hart inzwischen, die Leute kümmern sich nur um ihre eigenen Sachen, sie schauen nicht über den Tellerrand.

Ich bin so stolz auf ihn, dass er das geschafft hat, nach so langer Zeit seine Bibliothek mit diesem Museum zu eröffnen.
Auma über barack obama
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Das ist dann die unschöne Seite der Stimmung.
Korrekt. Man hat natürlich bemerkt, dass das Leben härter geworden ist, dass alles viel teurer geworden ist, dass die Menschen viel gestresster sind. Die Menschen stehen vor einem Riesenfragezeichen – wie ist es dazu gekommen, wie will man das lösen? Es gibt sehr viel Unsicherheit. Gleichzeitig war natürlich die Fußball-Weltmeisterschaft. Und da war dann auch wieder eine Art von Freude dabei, bei der man abends die Leute auf der Straße sah, die ihre Mannschaften begleitet haben und gejubelt haben. In diesen Momenten haben die Amerikaner vergessen können, welche Probleme sie haben, weil sie durch diesen Sport zusammengekommen sind und einfach nur gefeiert haben. Also ich habe viele Facetten gesehen.
Haben Sie dann auch länger mit Barack Obama sprechen können – also abseits des Offiziellen?
Was denken Sie denn? Natürlich! Wir treffen uns so selten, dass wir immer Zeit finden, miteinander zu reden. Ich lebe auf einem anderen Kontinent, weit weg. Aber wir waren als Familie dort. Ich bin Oma geworden, meine Enkelin hat die Familie noch nicht kennengelernt. Wenn wir zusammenkommen, nehmen wir uns Zeit füreinander.
Wie wurden Sie denn von Ihrer Familie empfangen?
Mit großer Freude. Das Wiedersehen war sehr schön. Und die Kleine hat sich in ihren Onkel, in ihre Tante verliebt und sie hat die Herzen aller erobert. Das war echt sehr schön zu erleben.
Sind Sie noch oft in den USA bei Ihrer Familie?
Nicht so oft. Ich lebe in Kenia, da ist es leider nicht möglich, ständig in den USA bei Barack zu sein.

Auma Obama, Journalistin, Autorin und Gründerin der nach ihr benannten Stiftung, beim DCKS-Festival in Köln. (Quelle: Thomas Banneyer/t-online)Zur Person
Auma Obama, geboren 1960 in Nairobi, ist eine kenianische Germanistin, Soziologin und Autorin. Sie ist die ältere Halbschwester des früheren US-Präsidenten Barack Obama; beide haben denselben Vater. Ab 1980 studierte sie in Deutschland Germanistik und promovierte später an der Universität Bayreuth. Sie lebte insgesamt 16 Jahre in Deutschland und spricht fließend Deutsch. Im demokratischen Vorwahlkampf unterstützte sie ihren Bruder mit öffentlichen Auftritten.
2010 gründete sie die Stiftung Sauti Kuu, die benachteiligte Kinder und Jugendliche in Kenia unterstützt. Zudem arbeitet sie als internationale Rednerin und wirbt mit einer eigenen Schmuckkollektion für transparente Lieferketten und eine stärkere Wertschöpfung in Afrika.
Macht er sich umgekehrt manchmal auf den Weg nach Kenia, um Sie zu besuchen?
Bei Barack ist das viel komplizierter. Er kann nicht einfach sagen: "Ich steige in ein Flugzeug und besuche meine Schwester." Mein Bruder ist immer noch der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Deshalb ist es für ihn leider nicht so einfach.
In den USA haben Sie auch mit Michelle Obama gesprochen. Viele betrachten sie als Hoffnungsträgerin. Können Sie sich vorstellen, dass sie irgendwann politisch antritt?
Ich rede mit meiner Familie nicht über Politik, jedenfalls nicht in diesen Momenten. Wir sehen uns sehr selten, wir wollen die Zeit zusammen verbringen und genießen. Diese Gespräche sind wichtig, aber sie stehen nicht im Vordergrund. Zur Frage nach Michelle kann ich nicht antworten. Ich könnte nur spekulieren, und das tue ich nicht. Gerade, wenn es um meine Familie geht, wäre das sehr problematisch. Irgendein Journalist muss den Mut haben, sie selbst zu fragen. Das schwebt ja ständig im Raum.

Mein Bruder ist immer noch der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Deshalb ist es für ihn leider nicht so einfach.
Auma über barack obama
Das wurde bereits gemacht – und sie hat sich nicht klar dazu geäußert. Womöglich wird sie das ja bald tun. Was macht Ihnen denn Hoffnung, wenn Sie auf die USA blicken?
Mein Bruder war auch Hoffnung. Und was ist daraus geworden? Das ist das Problem. Die Menschen müssen sich ganz ehrlich überlegen, was sie wollen. Aktuell wollen sie Donald Trump, so bitter das ist. Und das, was er mit Amerika anstellt.
Sehen Sie diese Verrohung des politischen Klimas auch in Deutschland?
Ich höre davon. Ich höre, wie unzufrieden und unglücklich viele Menschen mit den Umständen in Deutschland sind. Deutschland ist heute anders als zu der Zeit, als ich hier gelebt habe. Damals hatten die Deutschen stärker das Gefühl von Sicherheit. Man hatte das Gefühl, man könne sich etwas leisten. Man hatte das Gefühl, das Vaterland kümmert sich. Es gab nicht diese Existenzangst, die viele heute haben.
Wie meinen Sie das?
Ich höre von vielen psychischen Problemen, von jungen Menschen, die sehr verunsichert sind. Manchmal merke ich es an kleinen Dingen: Wenn ich in ein Taxi steige, guten Morgen sage und kaum eine Antwort bekomme; wenn ich mit einem schweren Koffer kämpfe und niemand hilft. Früher war das anders. Heute habe ich manchmal das Gefühl, den Leuten ist ein Stück Lebensfreude genommen worden. Ich bin nicht genug hier, um das wirklich beurteilen zu können. Aber was ich sehe, macht mich traurig.
Ein Ergebnis dieser Unzufriedenheit ist mitunter auch die Stärke der AfD in Deutschland.
Die Leute suchen. Sie fragen: Was ist die Alternative zu dem, was wir haben? Uns wurde etwas versprochen – und das Versprechen wurde nicht eingehalten. Dann sucht man nach einem anderen Halt. Das ist problematisch, gerade wenn man bedenkt, was daraus werden könnte. Bei Trump war es ähnlich: Die Leute haben nach einem Halt gesucht.
Manche sagen, Menschen suchten nur eine Alternative. Doch es ist gesichert, dass die AfD in Teilen rechtsextrem ist. Macht man es sich da nicht zu einfach?
Ich glaube, man kann Deutschland und die USA nicht eins zu eins vergleichen. Bei Trump war es so, dass viele Menschen, die schon vorher radikal oder sehr konservativ dachten, durch ihn sichtbar wurden. Vorher waren sie eher im Hintergrund. Mit Trump hatten sie plötzlich das Gefühl: Wir haben eine Stimme. In Deutschland sehe ich etwas anderes. Viele Menschen, die zur AfD neigen, kommen aus der Mitte. Sie sind enttäuscht, wütend, verunsichert. Sie haben vielleicht früher SPD, Grüne oder FDP gewählt und glauben jetzt, die AfD sei eine Lösung. Und genau das macht es so gefährlich. Denn sie wählen die AfD nicht nur aus Protest. Viele glauben wirklich daran. Das muss man sehr ernst nehmen.

Bei Trump war es ähnlich: Die Leute haben nach einem Halt gesucht.
Auma obama
Wie ist der Blick aus Kenia auf Deutschland und die USA?
Im Grunde haben wir genug mit unserer eigenen Politik zu tun. Wenn wir an Europa oder den Westen denken, dann hauptsächlich im Zusammenhang mit unseren Schulden, mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Das bindet uns die Hände und gibt unserer Regierung die Möglichkeit, uns stärker zu besteuern. Wir sehen Europa und den Westen aus diesem Blickwinkel: durch das, was unsere eigene Regierung macht.
Was stört Sie am meisten daran, wie Europa auf Afrika schaut?
Mich stört dieses Armutsbild von Afrika. Afrika ist ein Kontinent voller Bodenschätze, Rohstoffe, Naturressourcen und junger Menschen mit großem Potenzial. Trotzdem nennt man uns arm. Dabei wird sehr viel Reichtum aus Afrika herausgeholt. Unsere Rohstoffe landen in Wertschöpfungsketten, in denen andere den größten Profit machen – in Europa, in den USA, im Westen. Die Strukturen sind so gebaut, dass wir am wenigsten daran verdienen. Und dann heißt es: Afrika ist arm. Das ist falsch. Europa muss diesen Kontinent endlich ernst nehmen und begreifen, wie abhängig es von ihm ist: Rohstoffe für Telefone, Gold, Kaffee, Schokolade, Luxusprodukte. Man muss diesen Kontinent ernst nehmen. Irgendwann wird Europa einen Schock bekommen. Wenn afrikanische Länder Europa den Rücken kehren, wird Europa auf den Knien sein.
Müsste sich stärker das Verständnis durchsetzen, woher diese Produkte eigentlich kommen?
Man muss miteinander arbeiten, auf Augenhöhe, auch Unternehmen. Das zeigt ja auch unser Projekt Auma Obama Fine Jewelry.
Sie verkaufen Schmuck mit Edelsteinen aus Minen in Madagaskar. Die Lieferkette soll vollständig transparent sein.
Unsere Schmuckmarke soll zeigen, dass Wertschöpfung auch anders funktionieren kann. Nicht ausbeuterisch, sondern so, dass alle Beteiligten gerecht profitieren. Ich nenne das nicht Fair Trade, sondern Real Trade.
Was heißt das konkret?
Fifty-fifty gibt es im Kapitalismus nicht. Entscheidend ist etwas anderes: Sitzen alle mit am Tisch? Und bekommen alle das, was dem Wert ihres Beitrags entspricht? Wenn ich 40 Prozent bekomme und Sie 60 Prozent, kann das fair sein – solange ich diese 40 Prozent selbst mitverhandelt habe und sagen kann: Ja, das ist gerecht. Dann können wir uns die Hände schütteln und miteinander Geschäfte machen. Genau das versuchen wir in Madagaskar. Die Minenarbeiter bekommen ein gerechtes Gehalt. Und wir bauen die Infrastruktur so auf, dass möglichst viel Wertschöpfung im Land bleibt – dort, wo die Rohstoffe herkommen.
Wie viel bleibt denn in Madagaskar, wenn hier ein Ring für 2.700 Euro verkauft wird?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Es geht nicht nur um einen einzelnen Ring, sondern um die gesamte Wertschöpfung: eine Mine aufzubauen, eine Schleiferei vor Ort einzurichten. Das alles muss langfristig gedacht werden.
Können Sie es zumindest grob sagen?
Die Minenarbeiter sind Angestellte. Sie bekommen das Vierfache des Mindestlohns und haben ein gesichertes Gehalt – auch dann, wenn sie einmal keinen Stein finden. Die Werkzeuge werden gestellt. Wenn sie Steine finden, können sie diese zusätzlich an uns verkaufen. Deshalb können wir nicht sagen: Von einem Ring bleiben exakt x Euro in Madagaskar. Es geht darum, auf Augenhöhe zu arbeiten.
Ist das auch die Hoffnung, die Sie mit dem Projekt verbinden – dieses Modell von Afrika nach Europa und in die USA zu tragen?
Ja. Deswegen verleihe ich meinen Namen dafür. Sonst würde ich es nicht machen. Schmuck allein – einfach ein Produkt. Wozu? Es muss eine Botschaft geben. Ich leite eine Kinderstiftung, arbeite im humanitären Bereich und spreche seit über 30 Jahren darüber, wie Menschen miteinander umgehen sollten – gerade mit Blick auf Afrika, Europa und Amerika. In dieser Partnerschaft habe ich Werte gefunden, die ich jetzt praktisch umsetzen kann.
Ist jetzt die richtige Zeit dafür, gerade angesichts des politischen Klimas?
Absolut. Menschen müssen bei jedem Produkt, das sie kaufen oder konsumieren, die Geschichte dahinter hinterfragen – mehr denn je. Es gibt keine Entschuldigung mehr dafür, nicht wissen zu wollen, wo der eigene Kaffee herkommt oder wer an einem Produkt beteiligt war. Wir müssen Unternehmen zwingen, Klarheit zu schaffen und die Geschichte ihrer Produkte zu erzählen. Das gilt für notwendige Dinge genauso wie für Luxus. Auch Luxus ist gerechtfertigt, weil wir uns etwas gönnen dürfen. Sonst ist das Leben zu hart.
Bringen Sie Michelle Obama einen Ring mit? Das wäre ja eine perfekte Werbung, wenn sie ihn tragen würde.
Genau das ist das wichtige Wort: Werbung. Ich würde nie mit meiner Familie werben. Das habe ich nie gemacht. Wenn so etwas passieren würde, wäre es etwas Persönliches. Ich kann Familie nicht mit ihrer Rolle als früherer First Lady vermischen. Sonst würde ich etwas kaputt machen, was wir haben. Das ist mir zu wichtig. Natürlich bin ich stolz auf den Schmuck. Wenn sie mich sieht und sagt: "Oh mein Gott", habe und werde ich nicht verleugnen, woher er kommt.

Ich würde nie mit meiner Familie werben.
Auma obama
Zum Schluss noch eine Frage mit Blick auf die Weltmeisterschaft: Wann wird ein afrikanisches Land Fußball-Weltmeister?
Die Chance war und ist immer da. Kamerun war dabei, Ghana ebenfalls, Marokko ist eine sehr starke Mannschaft, Kap Verde hat Hoffnung gemacht. Aber Afrika muss dafür arbeiten und gut genug sein. Das Problem ist, dass die Umstände für Sport bei uns oft nicht stimmen. Unsere Regierungen unterstützen Sport nicht stark genug. Viele Fußballer spielen in England oder anderswo, dann holt man sie für die Weltmeisterschaft zusammen. Sie kennen sich kaum, müssen sich in diesem Moment erst zusammenfinden. Dabei ist das Potenzial da – im Fußball, im Marathon, im Tennis. Oft werden die Umstände so gestaltet, dass aus einer Stärke eine Schwäche wird. Das sah und sieht man auch jetzt bei der WM in den USA.
Inwiefern?
Wenn Visa nicht genehmigt werden, wenn ein Schiedsrichter oder ein Mannschaftskapitän nicht ins Land kommt – wie soll man dann spielen? Natürlich hat das mit Trump zu tun. Mit seiner Politik wurde der Zugang für bestimmte Länder, für Menschen erschwert. Bei einer WM darf das nicht passieren. Ein solches Turnier muss offen und fair sein. Wenn schon die Einreise zur Hürde wird, ist das das Gegenteil von Fairness.
Frau Obama, vielen Dank für das Interview!