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Ausbildung lohnt sich mehr als gedacht: Die FR räumt mit gängigen mit Vorurteilen auf

Stand: 26.07.2026, 17:24 Uhr

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Azubis mit einer Seniorin. Arbeit in der Pflege wird oft als sinnstiftend empfunden.

Azubis mit einer Seniorin. Arbeit in der Pflege wird oft als sinnstiftend empfunden. © Imago/Funke Foto Services

Neun von zehn Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden und würden sich erneut für ihren Beruf entscheiden. Bis zum Alter von 36 Jahren verdienen sie sogar mehr als Hochschulabsolventen.

Rund um das Thema Ausbildung gibt es viele Mythen und Vorurteile. Die FR blickt auf eine kleine Auswahl.

Mythos 1: Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Dieses Sprichwort ist veraltet. Die Zeiten, in denen ein herrischer Chef seinen Azubis mit diesem Ausspruch ausbildungsfremde Hilfstätigkeiten oder gar das Kaffeekochen aufdrückte, sind hoffentlich vorbei. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung aus der vergangenen Woche zeigt: Neun von zehn Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden und würden sich erneut für ihren derzeitigen Ausbildungsberuf entscheiden. „Ausbilder:innen, Lehrer:innen, Kolleg:innen und Ausbildungsqualität werden überwiegend positiv bewertet“, heißt es in der Studie. Klar ist aber: Die Ausbildung ist eine Zeit des Lernens und Zuhörens, sie ist oft stressig und anstrengend.

Mythos 2: Wer ein Abitur hat, geht an die Uni.

Tatsächlich entscheiden sich immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten für eine Ausbildung: 2011 hatten 23 Prozent der Personen bei Abschluss eines Ausbildungsvertrages die Hochschul- oder Fachhochschulreife. Zehn Jahre später waren es laut Statistischem Bundesamt 29,7 Prozent. Der Gang an eine Universität ist für nicht wenige junge Menschen ohnehin ein Umweg: „Viele beginnen ein Studium, brechen es ab (…) und starten dann mit 23 noch in eine Ausbildung“, sagt Arbeitsmarktforscher Bernd Fitzenberger (nebenstehendes Interview).

Mythos 3: Gutes Geld verdient man nur mit einem Studium.

Das stimmt so nicht. Die Ausbildung zahlt sich aus, vor allem in den ersten Jahrzehnten des Berufslebens. Die Einstiegsgehälter im Handwerk sind oft höher als die Gehälter, mit denen etwa Geisteswissenschaftler:innen rechnen dürfen. Personen mit abgeschlossenem Hochschulstudium verdienen bis zu einem Alter von 36 Jahren weniger als Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, wie eine Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) zeigt. Bei den Monatseinkommen liegen Menschen mit Master, Diplom, Magister oder Staatsexamen aber deutlich vorne: Sie erhielten 2024 laut Statistischem Bundesamt im Schnitt 6.850 Euro brutto im Monat. Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung gingen mit 3.973 Euro nach Hause.

Mythos 4: Das Ausbilden lohnt sich für die Betriebe nicht.

Das Bundesinstitut für Berufsausbildung (BIBB) hat 2025 Kosten und Nutzen der Ausbildung aus betrieblicher Sicht untersucht. Das Ergebnis: Im Ausbildungsjahr 2022/2023 beliefen sich die Bruttokosten pro Azubi auf 26.210 Euro. Weil der Nachwuchs aber auch einen Beitrag zur Produktion von Waren und Dienstleistungen in Höhe von 18.124 Euro leistete, stand unter dem Strich ein Minus von 8.086 Euro pro Azubi. Das ist ein Investment, das sich auszahlen kann: Wer Azubis übernimmt, spart sich die Kosten für die Suche nach anderen Arbeitskräften. Laut BIBB lagen diese „Personalgewinnungskosten“ im Durchschnitt bei 13.689 Euro je neu eingestellter Fachkraft. Zudem haben die ausbildenden Betriebe laut den Studienautoren einen „Informationsvorteil“: Sie wissen, was ein übernommener Azubi zu leisten imstande ist. Externe Bewerbungen sind dagegen eine Blackbox. Mit Blick auf den Fachkräftemangel ist die Suche nach Personal (je nach Branche) ohnehin schwierig.