Eigentlich fing alles im Sandkasten an. Während andere Burgen bauten, dekorierte Luise kleine Sandkuchen mit Förmchen und Kerzen. "Damit fing das an, dass ich schon immer Sachen hübsch gemacht habe", sagt Luise Strothenke. Auch ihre Mutter Siegrid bestätigt: "Luise war schon immer ganz wild darauf, in Bäckereien zu gehen und sich das anzugucken."
Aus der kindlichen Freude am Verzieren wurde ein Beruf. Nach ihrer Ausbildung zog es Strothenke zu den Besten ihres Fachs: Sie lernte unter anderem in London bei der berühmten Cake-Designerin Peggy Porschen, verfeinerte ihr Handwerk in der gehobenen Patisserie in Köln und Bonn.
Und doch kehrte sie schließlich zurück nach Ostwestfalen. In ihrer Heimat Brockhagen bei Steinhagen ist Luise Strothenke mit ihrer Manufaktur auf den Familienhof gezogen. "Der Hof wird in zwei Jahren 100, mein Ur-Opa hat ihn aufgebaut. Wir sind die vierte Generation."
"Heimat bedeutet für mich: Familie, Freunde und Geborgenheit. Wenn man sich selbstständig macht, braucht man Familie. Das ist einfacher, als wenn man sich allein in einer Großstadt durchboxen muss."
Luise Strothenke
Auf dem Hof entstehen Torten, die oft mehr erzählen als tausend Worte. Hochzeitspaare bringen ihre Liebesgeschichte mit, Geburtstagskinder ihre Hobbys oder Familien ihre verrücktesten Ideen. "Der Trend geht gerade zu Torten, die so groß sind, dass sie kaum noch durch die Tür passen," erzählt Luise lachend. Manche werden deshalb erst direkt auf der Feier zusammengesetzt.
Buttercreme verzeiht viel
Gerade sind Vintage-Torten gefragt, mit filigranen Verzierungen aus Buttercreme. Hier zählt jeder Millimeter. Verrutscht einmal eine Verzierung, gerät trotzdem niemand in Panik. "Die Creme verzeiht viel", sagt Luise und zieht den Spritzbeutel noch einmal über die Stelle. "Man muss nur wissen, wie man sie repariert." Billig sind solche Einzelstücke nicht. Eine kleine Torte beginnt bei rund 100 Euro, eine vierstöckige Hochzeitstorte kostet schnell 850 Euro oder mehr. Dafür gibt es keine Massenware.
Familienchronik auf der Torte
"Viele bringen Bilder aus dem Internet mit. Aber vieles davon ist gar nicht essbar. Für uns muss eine Torte nicht nur gut aussehen, sie muss komplett essbar sein und vor allem schmecken." Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Sarah entsteht deshalb fast jedes Detail in Handarbeit. Winzige Margeriten, täuschend echte Rosen oder filigrane Figuren werden modelliert.
Eine besondere Spezialität sind essbare Schattenbilder: Mit einem Lebensmitteldrucker werden Motive auf Esspapier gedruckt, anschließend mit dem Skalpell ausgeschnitten, verstärkt und vorsichtig auf die Torte gesetzt. So wird aus einer Hochzeitstorte eine kleine Familienchronik. Bis zu fünf Tage arbeiten Luise und Sarah an einer großen Hochzeitstorte.
Geschmack ist wichtiger als Optik
Trotz aller Kunst bleibt für Luise eines wichtiger als jede perfekte Dekoration: der Geschmack. Fertigmischungen kommen ihr nicht in die Backstube. Marmeladen werden selbst gekocht, Quark und Sahne frisch verarbeitet, die Eier stammen von einem Hof aus der Nachbarschaft. "Das sind glückliche Hühner", sagt sie schmunzelnd.
Zweites Standbein: Pralinen und Kekse
Damit die Manufaktur auch außerhalb der Hochzeitssaison läuft, haben sich die beiden ein zweites Standbein aufgebaut. Im Winter entstehen Pralinen, Kekse und außergewöhnliche Schokoladen, die inzwischen deutschlandweit verschickt werden. Aus dem kleinen Hof in Brockhagen gehen die süßen Kreationen heute bis nach Aachen, Mainz und weit darüber hinaus.
Nur eines hat sich seit dem Sandkasten nie verändert: Luise liebt die kleinen Details. Und genau die machen ihre Torten, Schokoladen und Kekse zu etwas ganz Besonderem.