Stand: 25.07.2026, 08:16 Uhr
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Die Deutsche Bahn plant ein bundesweites Verbot von Alkohol an Bahnhöfen. In Köln gibt es so ein Verbot bereits seit einigen Monaten. Das sagen Bahnhofsmission und Stadt dazu.
Köln – Die bunten Flaschen glänzen im grellen Licht des Kühlschranks. Bier, Wodka, Kräuterlikör – in dem Laden im Kölner Hauptbahnhof haben Kunden die Auswahl. Kaufen dürfen sie. Trinken sollen sie aber erst, wenn sie den Bahnhof verlassen haben. Am Kölner Hauptbahnhof gilt seit April ein Alkoholkonsumverbot.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Ein solches Verbot soll es bald an allen deutschen Bahnhöfen geben. Die Deutsche Bahn begründet den Schritt unter anderem mit dem Schutz ihrer Mitarbeitenden. Die Erfahrungen in Köln und anderen bereits alkoholfreien Bahnhöfen seien positiv. „Alkoholfrei heißt: weniger Gewalt und weniger Müll“, so Bahn-Chefin Evelyn Palla.

In Bahnhöfen gibt es häufig eine große Auswahl an alkoholischen Getränken. Der Konsum soll zukünftig bundesweit verboten werden. © Anita Hirschbeck/KNAIn der Bahnhofsmission am Kölner Hauptbahnhof herrscht grundsätzlich Verständnis für die Pläne. „Die Bahn muss ihre Mitarbeiter schützen“, sagt Ehrenamtler Christoph Gerwin. In Köln habe sich die Situation seit Einführung des Alkoholverbots gerade an den Wochenenden ein wenig entspannt.
Verständnis für Alkoholverbot
So hätten früher etwa Junggesellenabschiede ihre Alkoholbestände oft am Hauptbahnhof aufgefüllt und direkt konsumiert. „Die waren nicht unbedingt aggressiv. Aber das bringt unglaublich viel Unruhe“, sagt der Rentner. „Wir haben auch viele ältere Menschen, die wir hier begleiten. Und die kriegen einfach Angst.“
Das Alkoholverbot sieht er vor allem als ein Signal an Reisende, die nicht trinken: Der Bahnhof soll als sicherer Ort wahrgenommen werden.
Weniger Obdachlose am Bahnhof
Aber: Seit Einführung des Alkoholverbots besteht die Sorge, dass alkoholkranke Menschen nicht mehr so leicht den Kontakt zur Bahnhofsmission finden. Denn die Teams der Bahnhofsmission treffen bei ihren Rundgängen auch seltener auf obdachlose und alkoholkranke Menschen.
„Nur weil die Menschen nicht mehr so sichtbar sind, ist das Problem ja nicht weg“, sagt Sozialarbeiter Thorsten Krojnewski. Früher sei es leichter gewesen für die Bahnhofsmission, diese Menschen zu erreichen.
In Ergänzung zum Alkoholverbot würde er sich politische Maßnahmen wünschen. „Ich fände es total interessant, wenn man eine Einrichtung in der Nähe des Hauptbahnhofs hätte, wo sich die Leute aufhalten und auch Alkohol konsumieren könnten“, sagt Krojnewski. „Dann wären sie in einem geschützten Rahmen, und Sozialarbeitende könnten unterstützen.“
Stadt: Keine plötzliche Abwanderung
Die Stadt Köln äußert sich vorsichtig zu den Entwicklungen am Hauptbahnhof seit Einführung des Alkoholverbots. Eine plötzliche Abwanderung von Obdachlosen habe das Streetworkteam des Sozialamts nicht beobachtet. Es gebe schwankende Tendenzen, die wohl auch mit dem Wetter zusammenhingen.
Zwar hielten sich weniger alkoholkranke Menschen am Hauptbahnhof auf. Das sei aber vergangenen Sommer – also vor dem Verbot – auch schon so gewesen.
Zugleich teilte die Stadt mit, dass es möglicherweise eine Verlagerung unter anderem auf Plätze, Parks und Tunnels in der Nähe des Hauptbahnhofs gebe. An anderen Bahnhöfen in der Stadt werde eine derartige Verlagerung nicht wahrgenommen. Das Streetworkteam behalte die Entwicklungen im Blick und passe sich an. Zudem gebe es in der Stadt viele Angebote der Wohnungslosenhilfe.
„Es gibt auch Unterstützung“
Krojnewski und Gerwin machen sich fertig für ihren Rundgang im und um den Bahnhof. An diesem Vormittag ist es ruhig. Krojnewski deutet in den großen Mittelgang, der längs unterhalb der Gleise verläuft. Hier würden Obdachlose im Winter unter bestimmten Voraussetzungen auch nachts geduldet. „Es gibt auch Unterstützung im Bahnhof“, sagt der 30-Jährige.
Draußen schläft in einer Unterführung ein Obdachloser. Gerwin holt eine Flasche Wasser aus einer Umhängetasche und legt sie vorsichtig auf die Decke des Mannes.
Alkoholverbot auch an Karneval?
Ein paar Meter weiter ist die Bahnhofsgastronomie zu sehen. „Wenn jemand hier ein Kölsch trinkt, dann ist das in Ordnung. Wenn jemand aber einen Meter daneben im Bahnhof einen Tetra Pak Wein aufmacht, dann geht das nicht“, sagt Krojnewski. „Das hat für mich auch etwas Klassistisches.“
Der Sozialarbeiter und sein Kollege sind wieder im Bahnhof. Sie sind gespannt, wie das Alkoholverbot in der anstehenden Fußballsaison durchgesetzt wird. „Und wie wird es an Karneval sein?“, fragt Krojnewski. Zurück an der Bahnhofsmission ertönt die Durchsage: Im Kölner Hauptbahnhof ist der Konsum von Alkohol nicht gestattet. „Wir bitten um Ihr Verständnis.“