Publiziert26. Juli 2026, 12:11
Berlin«Islamistischer Terroranschlag» – Abdul B. weiterhin flüchtig
Nach der Amokfahrt auf dem CSD in Berlin mit einer Toten und mehreren Verletzten zeigen sich Bekannte des Tatverdächtigen Abdul B. (21) fassungslos.

Darum gehts
- Ein 21-Jähriger ist nach einer mutmasslichen Amokfahrt beim Berliner CSD auf der Flucht – sein Aufenthaltsort ist unbekannt.
- Abdul B. soll am Samstagabend ein Auto in eine Menschenmenge in der Nähe der Christopher-Street-Day-Feier gesteuert haben.
- Gemäss «rbb24» wurde noch in der Nacht ein Iraner festgenommen, der als Beifahrer im Tatfahrzeug mitgefahren sein soll.
Die Polizei in Berlin sucht weiter nach Abdul B., der am Samstagabend ein Auto in eine Menschenmenge unweit der Christopher-Street-Day-Feier gefahren haben soll. Nach dem Mittag stuft der Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die Bluttat beim Berliner CSD als «islamistischen Terroranschlag» ein.
Auch am Morgen nach der Tat untersuchen Polizisten den Wohnort des Tatverdächtigen. Gemäss dem Portal «rbb24» soll noch in der Nacht ein iranischer Staatsbürger gefasst worden sein, der mit Abdul B. zum Tatzeitpunkt im Auto gesessen haben soll.
«Was auffallend ist: Personen, die in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnen, die ihn seit Ewigkeiten kennen, sagen, dass er nie aufgefallen ist. Dass er eigentlich ein netter Typ ist, immer freundlich gegrüsst hat. Niemand kann sich so richtig vorstellen, dass ein solcher Junge so etwas macht», schildert ein Reporter von Focus.de vor Ort.
Polizeibekannt und IS-Anhänger
Nach Informationen der «Bild» ist er unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und räuberischer Erpressung polizeibekannt. Zudem soll Abdul B. Anhänger des Islamischen Staates sein. 2025 wollte er gemäss der Bild nach Syrien ausreisen, wurde aber im Libanon festgenommen und als deutscher Staatsbürger nach Berlin zurückgeschickt. Im Mai 2026 wurde er ausserdem zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt, weil er einen Anschlag geplant haben soll.
Weil die Staatsanwaltschaft ein höheres Strafmass forderte, ging der Fall in Berufung. B. wurde daraufhin von der Polizei zumindest zeitweise überwacht. Es kam auch bereits zu einer Wohnungsdurchsuchung, weil der 21-Jährige ein Foto mit einer Schusswaffe veröffentlicht hatte. Ausserdem soll sein Telefon überwacht worden sein. B. sollte sich zudem jede Woche bei seinem Bewährungshelfer melden und laut Welt.de an 26 Terminen zur Deradikalisierung und Extremismusprävention teilnehmen. An zwei davon soll er teilgenommen haben, der nächste Termin sollte am Montag stattfinden.
Bekannter «total entsetzt»
Der Reporter erzählt, er habe mit einem Bekannten sprechen können, der Abdul B. schon sein ganzes Leben lang kennt. Dieser schildert, der 21-Jährige sei «immer der fünfjährige Abdul» geblieben. Dies habe der Bekannte auf sein Verhalten bezogen. Er sei heute Morgen «total entsetzt» gewesen, als er im Fernsehen erfuhr, dass Abdul B. für die Tat verantwortlich sein soll.
Gemäss Focus.de lebte der Tatverdächtige mit seiner Mutter und drei Schwestern in der Wohnung. Wo sich Abdul B. derzeit aufhält, ist unklar. Ebenso, ob er bei der Amokfahrt am CSD Komplizen hatte.
Umfangreiche Fahndung
«Natürlich laufen unsere Massnahmen auf Hochtouren und in alle Richtungen», sagte Polizeisprecher Jan Misselwitz der Nachrichtenagentur AFP. Polizisten stehen unter anderem an Bahnhöfen in der Hauptstadt im Einsatz. Parallel können Hinweise auf einem Online-Portal oder per Telefon abgegeben werden.

Schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei sperren sämtliche Zugänge zum S-Bahnhof Anhalter Bahnhof in Berlin ab.Michael Ukas/dpaBei den Einsätzen an Bahnhöfen gingen die Einsatzkräfte unter anderem etwaigen Hinweisen nach, erläuterte der Sprecher. «Wir sind mittendrin in den wirklich umfassenden Massnahmen.»
LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?
Hier findest du Hilfe:
InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen
Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
Deine Meinung zählt
Darum wurde das Kommentarfeld deaktiviert