Ursprünglich sollte "007 First Light" ganz anders verlaufen. IO Interactive plante das Abenteuer anfangs als echtes Teamspiel mit mehreren Agenten – ganz im Stil von "Mission Impossible".
Das Agentenspiel „007 First Light“ hat die Spielergemeinde absolut begeistert. Die Entwicklung des Titels verlief jedoch keineswegs geradlinig und bot zahlreiche kreative Wendepunkte. Ein aktuelles Interview bei Eurogamer beleuchtet nun die spannenden Hintergründe dieser Entstehungsphase.
Achtung, im anschließenden Text folgen mehrere Spoiler: Die Spuren dieses ursprünglichen Konzepts lassen sich im fertigen Spiel bis heute deutlich erkennen. In „007 First Light“ startet das MI6 das Doppel-O-Programm neu und rekrutiert Bond gemeinsam mit mehreren anderen jungen Agentenanwärtern.
Während seiner Ausbildung auf Malta schließt er langsam Freundschaften mit den Konkurrenten. Nach den gemeinsamen Einsätzen teilt sich der berühmte Agent in London eine großzügige Wohnung mit Cressida und Monroe. Zu diesen Figuren baut er eine enge Beziehung auf, die das Fundament für das spätere Zusammenspiel bilden sollte.
Die Entwickler setzten zu Beginn stark auf diese Kameradschaft und das freundschaftliche Duellieren zwischen den Charakteren. Diese Dynamik zeigt sich besonders während der Stationen in Malta, London sowie bei der ersten Mission in der Slowakei. Genau diese Abschnitte wurden von den Spielern nach dem Release im Mai äußerst positiv aufgenommen.
Ein harter Bruch mitten im Spiel
Der dramatische Wendepunkt im Spiel ist von den Machern ganz bewusst als harter Bruch geplant worden. „Im Grunde sagen wir, dass dies ein Ensemble-Stück wird, in dem alle 00-Agenten zusammenarbeiten, so wie sie es in der Slowakei tun. Und dann ziehen wir dir den Boden unter den Füßen weg, wenn die meisten von ihnen sterben, und wie es der Zufall so will, ist Bond der Letzte, der übrig bleibt“, erklärt Hauptautor Michael Vogt. Durch diesen Moment wandelt sich das geplante Teamabenteuer zu einer klassischen Bond-Geschichte.
Der genaue Zeitpunkt des Richtungswechsels ist dem leitenden Autor nach sieben langen Jahren der Entwicklung zwar entfallen, doch die dramatische Absicht hinter dem Konzeptwechsel ist eindeutig. Laut Michael Vogt dient die drastische Wende vor allem dazu, den jugendlichen Protagonisten schlagartig mit der harten Realität zu konfrontieren. Bis zu diesem verheerenden Zwischenfall sei das Leben als Geheimagent für den jungen Helden „nur Spaß und Spiel“ gewesen, bei dem er unbeschwert „um die Welt reist und den Geheimagenten spielt.“
Erst nach der Explosion wache der Agent aus dieser Illusion auf. Wenn M ihm verdeutliche, wie kurz die Lebenserwartung in diesem Beruf ist, begreife der junge Mann plötzlich den Ernst der Lage. Er reift durch diesen Schicksalsschlag, den Vogt auch als Bewältigung von „vielleicht überstandener Überlebensschuld“ beschreibt.
IO Interactive wollte sich von den Daniel-Craig-Filmen abgrenzen
Der Einfluss der Daniel-Craig-Ära prägte die frühen Phasen der Entwicklung von „007 First Light“ maßgeblich, weshalb das gesamte Projekt zunächst einen düsteren Ton anschlug. Erst im Laufe des kreativen Prozesses gelang es dem Studio, sich davon zu lösen und eine eigene Identität zu finden.
Dazu mussten die Macher den Kurs anpassen, wie Michael Vogt erläuterte: „Wir haben das Genre wahrscheinlich ganz leicht von einem reinen Spionagethriller zu etwas verlagert, das ein bisschen mehr Action-Adventure ist – haben die Comedy ein bisschen hochgedreht, vielleicht den Charme, den Funken.“
Durch diesen Richtungswechsel bewahrt der junge Protagonist trotz aller Härten seinen jugendlichen Esprit und blickt mit staunenden Augen auf die Welt. Trotz der schweren Schicksalsschläge bleibt der junge Agent am Ende der Geschichte überraschenderweise völlig unverbittert.
Vogt erklärt dazu: „Tatsächlich schafft er es im Grunde, den MI6 zu verändern – nicht umgekehrt. Er verändert die Charaktere um ihn herum. Greenway durchläuft wegen ihm einen Erlösungsbogen. Er macht Isola gegen Ende sogar ein wenig menschlicher. Und das hat er schon immer getan.“

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